Kategorie-Archiv: Erfahrungsbericht

Aus dem zweiten Jahr

Zwischenbericht aus dem zweiten Freiwilligenjahr – Robert Weisemann (Februar 2019)

Mein Name ist Robert Weisemann und ich befinde mich zurzeit im zweiten Jahr
meines Freiwilligendienstes im heilpädagogischen Heim Beit Uri im Norden Israels.

Bereits nach der Hälfte meines Auslandsjahres 2017/18 stellte ich fest, eine besondere Verbindung zu meiner Einsatzstelle, zu Land und Leuten gefunden zu haben und setzte mich mit dem TAMLI e.V. – zu dieser Zeit hatte ich noch einen anderen Träger – in Verbindung, um diese Erfahrung um ein weiteres Jahr zu verlängern und intensivieren zu können.

In diesem Zwischenbericht möchte ich sowohl von meinen persönlichen Erfahrungen in Bezug auf meinen Freiwilligendienst als auch über die Unterschiede zu meinem ersten Jahr in Israel berichten – und vielleicht auch den ein oder anderen zu einer Verlängerung des Freiwilligenverhältnisses anregen.

Das Heim – Beit Uri

Beit Uri (zu Deutsch: Uris Haus) ist ein Heim für rund einhundert geistig schwerbehinderte Menschen im Alter von 6 bis 60 Jahren und befindet sich auf dem Givat HaMoreh, in unmittelbarer Nähe zur 40.000-Einwohner-Stadt Afula, in Nordisrael.
Das Heim wurde 1969 von Dvora Schick gegründet, einer Shoah-Überlebenden, die der Einrichtung den Namen ihres verstorbenen, geistig behinderten Sohnes Uri gab, mit dem sie aus Deutschland nach Palästina geflohen war.

Die Einrichtung gliedert sich in 5 Häuser für erwachsene Member Beit Uris, zwei Kinderhäuser, ein Haus für externe Kinder zur Tagesbetreuung und zwei Außenwohngruppen auf. Ein weiteres Gebäude befindet sich momentan im Bau und soll voraussichtlich im August in Betrieb genommen werden. (Das Haus wurde mittlerweile eröffnet.)

Tagsüber arbeiten die Member speziell nach ihren Fähigkeiten zugeteilt in einem der Workshops oder besuchen eine der vielen Schulklassen Beit Uris. Die Arbeit erstreckt  sich  von  handgemachten  Waren  wie  Kerzen,  Keramik  und  Körben, körperlicher Arbeit  in  Garten  und  Hof  bis  hin  zur  Unterstützung  der  täglichen Essenszubereitung. Weiterhin werden in der Schreinerei unter anderem Möbel für den Eigenbedarf hergestellt.

Die Volontärsarbeit dient dazu, die Belegschaft in Workshops und Häusern zu unterstützen und insbesondere den Membern Beit Uris in der Bewältigung ihres Alltag zu helfen – und „frischen Wind“ und Enthusiasmus in die Einrichtung zu bringen.

Zur meiner persönlichen Erfahrung

Nachdem ich mich im ersten Jahr im Hofworkshop um die Aufrechterhaltung der äußeren Ordnung der Einrichtung gekümmert hatte, wechselte ich im zweiten Jahr zur Schreinerei, um durch die Arbeit neue Fertigkeiten und Member kennenzulernen (und in der Hoffnung, mein Hebräisch noch etwas zu verbessern).
Auch wechselte ich von Beit Zfoni (dem nördlichen Haus) zum Beit Maravi (dem westlichen Haus), um so viel wie möglich von der Arbeit in den Häusern des Heimes sehen zu können.

Tatsächlich hatte ich am Anfang des zweiten Jahres sowohl im Haus als auch im Workshop das Gefühl, wieder als neuer Volontär anzufangen, auch wenn zum Beispiel die Kommunikation – durch die bereits vorhandenen Hebräischkenntnisse und das Vertrauen der meisten Member und Worker – eine wesentlich bessere war als zum Anfang des ersten Jahres. Es dauerte dennoch einige Monate, bis ich wirklich ein akzeptierter Bestandteil beider Gruppen wurde und mich in meiner Arbeit sicher fühlte. Wie im Jahr zuvor besuche ich zweimal in der Woche die Proben des heimeigenen Chors und Orchesters; neu dazu gekommen sind zwei Proben der „Chug Drama“ genannten Theatergruppe, bei welcher Member und Mitarbeiter zusammen Theaterstücke ausarbeiten und zu besonderen Gelegenheiten aufführen. Weiterhin helfe ich regelmäßig in der „Pinat Chai“ aus, pflege und füttere also die Therapietiere der Einrichtung.

Das Kennenlernen und Bestandteil einer neuen Gruppe von Volontären zu werden war eine spannende Angelegenheit, vor allem wenn es sich um eine mehr als doppelt so große Gruppe handelt als im ersten Jahr. Das Vertrauen, das mir als Volontärs-„Veteran“ entgegengebracht wurde hat mich sehr in meiner Arbeit bestätigt und den anderen Volontären Sicherheit und Gelassenheit  gegeben. Es ist ein gutes  Gefühl, wenn Menschen zu einem kommen, um nach Rat und Meinung zu fragen und man einfach nur aus seiner Erfahrung heraus helfen kann.

Weiterhin habe ich dieses Jahr versucht, meine geographischen Kenntnisse über Israel zu erweitern. Ich war sowohl im Roten Meer baden (Eilat) als auch in einem Wasserloch in der Nähe des Grabes von Ben Gurion. Die Wüste zählt weiterhin zu einem meiner liebsten Ausflugsziele, um manchmal etwas Abstand von der Zivilisation nehmen aber vor allem um nachts Sterne gucken zu können.

Zu meinen persönlichen Erfolgen kann ich dieses Jahr die Teilnahme am Jerusalem-Marathon (5km) und „Volcano Run“ in den Golanhöhen (15km) zählen. Auch werde ich den Massada-Halbmarathon Ende Juni laufen.

Die unschönste Erfahrung des Jahres ist sicherlich das Erleben des Raketenbeschusses aus Gaza auf die Stadt Ashkelon, wo ich mit meinem Vater Anfang Mai Urlaub machte. Ich bin den Israelis aus meiner näheren Umgebung sehr dankbar, mit ihnen über diese Ereignisse gesprochen haben zu können.
Der Besuch des dreitägigen Menashe Forest Festivals in Megiddo zählte wiederum zu einem der Highlights des Jahres, das mit seinen vielen Livebands und lockeren Stimmung eine schöne Abwechslung zum Arbeitsalltag in Beit Uri darstellte.

Auch drehte ich im Frühling 2019 im Zusammenarbeit mit dem israelischen Wohlfahrtsministerium einen Werbefilm in Beit Uri, um bei jungen Menschen im Ausland Interesse für ein soziales Volontariat in Israel zu wecken. Auf das Ergebnis bin ich sehr gespannt! (Inzwischen gibt es das Ergebnis zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=FymBoPlm178)

Zukunftspläne

Im Gegensatz zu meinem ersten Jahr konnte ich mir endlich klare Gedanken zu meiner Zukunftsgestaltung nach dem Volontariat machen. Durch meine Arbeit in Beit Uri und durch Gespräche mit meinem Workshop-Leiter habe ich mich dazu entschieden, mich in Deutschland für ein Heilpädagogikstudium zu bewerben. Aber ich denke auch dass das Kapitel Israel nicht mit dem Freiwilligendienst enden wird. Ich habe in diesem zweiten Jahr meine Kontakte in Israel noch weiter ausgebaut, neue Freundschaften geschlossen und mal sehen, was erst noch auf mich zukommt.

Alles in allem möchte ich jedem, der das erste Jahr des Volontariats zur Studienfindung nutzen wollte, aber keinen Erfolg hatte, ein weiteres Jahr herzlich empfehlen.

Robert Weisemann

 

Abschied und Rückkehr

Abschied von Beit Uri und Rückkehr nach Deutschland – Jahresabschlussbericht von Hai Long Le

Am Tag vor meinem Abflug drehte ich noch ein letztes Mal eine große Abschiedsrunde durch Bei Uri. Ich verabschiedete mich von den Membern in den einzelnen Häusern und hinterließ ein paar Abschiedsgeschenke für alle möglichen Leute, darunter auch meine Workshopleiterin und die neuen Volontäre, die schon angekommen waren.
Am nächsten Tag setzte ich mich morgens in den Bus und nahm später den Zug zum  Flughafen. Ich fuhr zum letzten mal für lange Zeit den Givat herunter, ich fühlte mich komisch. Während ich die meiste Zeit aus dem Fenster schaute, dachte ich an nichts. Mein Kopf war leer. Ich weiß nicht, ob ich an nichts denken wollte oder an nichts denken konnte. Ich kam endlich am Flughafen an, wo die Zeit interessanterweise durch die Gepäckabgabe und die Security-Checks schnell verging, sodass ich nicht so lange auf meinen Flug warten musste. Ich hatte noch einen Brief eines guten Kumpels erhalten, den ich Stück für Stück langsam las. Es war super nett von ihm, mir noch etwas zu schreiben.

Nach der Landung und dem Einsammeln meines Gepäcks wurde ich dann von meinem Vater und ein paar Freunden abgeholt, von denen ich mich unglaublich gefreut hatte, sie wieder zu sehen, besonders meinen Vater. Wir setzten uns ins Auto und fuhren nach Hause. Meine Freunde scherzten über Israel, was mich aufregte, da sie keine Ahnung von diesem Land hatten. Es fühlte sich komisch an, wie in einer ganz anderen Welt zu sein.
Ich konnte die Straßenschilder ohne Mühen lesen und die Autokennzeichen waren wieder weiß. Meine Freunde berichteten mir von den letzten Trends, die ich in Deutschland verpasst hatte. Ich war mit meinen Gedanken überfordert. Wahrscheinlich konnte ich es noch nicht richtig fassen, wieder in Deutschland zu sein.
Als ich zu Hause ankam, fing ich gleich an mein Zimmer auszumisten. Ich konnte es nicht in dem Zustand sehen, wie es zurückgelassen wurde. Alles musste heraus. Außerdem erschien mir die ganze Wohnung kleiner als zuvor. Das lag an den großen Einrichtungen, die wir in Israel hatten. Ich traf seit langem meinen Bruder wieder, was schön war.

Einige Tage nach meiner Ankunft musste ich aber auch gleich zu einer anderen Stadt acht Stunden entfernt von Berlin fahren um WGs zu besichtigen. Es war recht hektisch so schnell nach meiner Ankunft wieder weg zu fahren. Ich blieb eine Nacht, sah mir ein paar Wohnungen an, wobei ich jetzt schon in eine dieser einziehen konnte, und kehrte dann nach Berlin mit einem Nachtbus zurück. Ich konnte nur bedingt und mit vielen Unterbrechungen schlafen. Da kam ich nun am nächsten Morgen in Berlin zum zweiten Mal in kurzer Zeit an, dieses Mal am Alexanderplatz. Vielleicht lag es am Schlafmangel, den ich wegen der Busfahrt hatte, aber das zweite Mal anzukommen war noch komischer. Zusätzlich musste ich noch mit der S-Bahn nach Hause fahren (das letzte Mal mit der S-Bahn war natürlich schon knapp ein Jahr her…). Erschöpft und müde von der langen Busfahrt kam ich dann zu Hause an und traf den Rest meiner Familie.

Nach einigen Tagen fand ich eine Routine in Deutschland. Ich räumte mein Zimmer auf, kümmerte mich um die anstehenden Universitätspapiere und traf seit langer Zeit Freunde wieder. Das passierte automatisch. Selten dachte ich schwärmerisch an die Zeit in Israel zurück, die sich jetzt schon anfühlt, als wäre sie schon Jahre her.

Jesus Trail (oder so ähnlich)

Der eigentliche Jesus Trail startet in Nazareth und endet in Capernaum (am Nord-Westlichen Ufer des See Genezareth). Mit 62 km ist der Trail für 4 Tage ausgelegt:
Tag 1: Nazareth nach Cana
Tag 2: Cana nach Kibbutz Lavi
Tag 3: Kibbutz Lavi nach Moshav Arbel
Tag 4: Moshav Arbel nach Capernaum

Da wir aber nur ein Wochenende Zeit haben, basteln wir uns eine abgespeckte Version und starten in Ilaniya (liegt in der Mitte von Cana und Kibbutz Lavi).

Donnerstagabend, 11.10.18
Während Johanna sich bestens informiert hat, wie man einen Wanderrucksack zu packen hat, stopfe ich einfach alles irgendwie hinein. Naja, ich musste am Donnerstagabend auch noch bis 19:30 Uhr arbeiten und hatte nicht so viel Zeit mich vorzubereiten (falls das als Ausrede durchgeht und ich mich so nicht zu meiner Faulheit bekennen muss). Mit Trinksystem, Wanderstöcken und einem Gaskocher sieht das ganze bei ihr um einiges professioneller aus. Auch bei der Route hat sie zum Glück das Zepter in die Hand genommen. Mit Buch und Handy GPS Route ausgestattet, fühlen wir uns bereit und nehmen um 20:20 Uhr den Bus nach Ilaniya.

Von einer einsamen Haltestelle aus laufen wir erstmal die Straße in die falsche Richtung entlang. Wir drehen um und sehen, dass unser Wanderweg direkt neben der Haltestelle  beginnt. Etwas schwierig den Weg im Dunkel auszumachen, aber zum Glück hat Johanna auch an eine Taschenlampe gedacht, sodass wir unsere Handyakkus schonen können. Eine gute Stunde laufen wir noch an diesem Abend. Wobei wir auf dem Handy sehen, dass wir stets neben dem eigentlichen Weg unterwegs sind und uns eher durchs Gestrüpp und Kakteen kämpfen. Naja, irgendwann kommen wir an etwas, was wir als Wanderweg durchgehen lassen würden.

Später finden wir, ein paar Meter vom Wegesrand entfernt, einen Baum, unter dem wir unser Nachtlager einrichten. Recht sichtgeschützt fühlen wir uns hier sicher und wohl.

Freitag, 12.10.18
Gegen 9:00 Uhr werden wir langsam wach, die Sonne steht schon sehr hoch am Himmel und es wir unerträglich warm im Schlafsack, nachdem ich heute am frühen Morgen etwas gefroren habe.

Es ist sehr lustig, wenn man sich in der Dunkelheit einen Schlafplatz sucht und erst am nächsten Morgen erkennt, dass man auf einer Kuhweide gelandet ist. Zum Glück befinden sich die Kühe recht weit entfernt von uns am Futtertrog. Wir kochen uns Wasser zum Frühstück für Porridge und Tee. Dazu gibt es Schwarzbrot mit Humus.
Danach nimmt sich Johanna Zeit, um mir zu erklären, wie ich meinen Rucksack besser packen kann und was ich noch alles einstellen und meiner Größe anpassen kann, sodass der Rucksack perfekt sitzt. Wir wissen zum Glück beide nicht, wie schwer unsere Rucksäcke sind. Am meisten wird wohl das Wasser sein, dann Essen und naja das Wechsel-T-Shirt, die 2 Unterhosen und die Zahnbürste dürften wohl am wenigsten Gewicht ausmachen.

Um 10:30 Uhr starten wir. Es ist es recht bewölkt und auch ein stetiger Windhauch macht das Laufen in der Hitze erträglich. Wir sind immer wieder überrascht, wenn im Reiseführer ein Wald eingezeichnet ist und wir nur drei Bäume vorfinden. Wald ist eben nicht gleich Wald.
Nach nicht allzu langer Zeit kommen wir an einem kleinen Nationalpark an, mit den Überresten von alten Stadtmauern. Wir machen einen kleinen Abstecher um es uns anzusehen. Einmal um den Berg herum.

Dann suchen wir weiter unseren Pfad. Die Wanderwege sind verschieden farbig gekennzeichnet. Blau-weiß ist immer der Israel National Trail (ein Trail der einmal durch ganz Israel verläuft, vom Norden in den Süden und für den man ca. 3 Monate braucht). Unsere Route hat keine eigene Farbe, sondern wir laufen immer abschnittweise an einer Farbe entlang und dann nach einer anderen. Auch die Markierungen sind zum Teil sehr spärlich, sodass Johanna öfters mal auf dem Handy nachkontrolliert, ob wir noch richtig sind. Hier und da verpassen wir die Abfahrt und müssen einige Meter zurück, aber alles machbar. Besonders die ersten 3 Stunden sind sehr anstrengend, da ich mich noch an das Gewicht auf Schultern, Hüften und den Beinen gewöhnen muss, es ist eine Qual. Es ist super einfach zwischendurch hinter Johanna her zu laufen (obwohl der Weg breit genug ist um nebeneinander her zu laufen) so kann ich ihrem Trott einfach folgen und konzentriere mich eher auf meine Schritte und nicht auf die Schmerzen.

Gegen 14:30 Uhr machen wir eine Mittagspause und ich auch ein kleines Nickerchen. Die Aussicht ist gigantisch.

Weiter geht es dann eine längere Zeit bergauf, ein Stück an einer Straße entlang und durch einen richtigen Wald. Viel hoch und runter.  Der  folgende Abschnitt an der Straße ist uns etwas zu gefährlich, da es keine Leitplanke gibt, der Seitenstreifen sehr schmal ist und die Autos schnell fahren. Wir laufen also querbeet im Busch neben der Straße und schlagen uns durch das stachelige Gestrüpp.
Mit total zerkratzen Beinen erreichen wir auf dem Weg ein kleines Dorf. Später stellt sich heraus, dass es sich um das Kibbutz Lavi handeln muss. Durch dieses Kibbuzim hindurch finden wir einen ausgeschilderten, markierten Wanderweg, mit dem wir die Straße weiter umgehen können. Aber Johanna und ich sind uns einig, dass auch das den Namen „Wanderweg“ nicht verdient hat. Weiter dieses stachelige Gestrüpp, steil bergauf mit vielen Felsen und wir müssen ständig von links nach rechts über und unter Stacheldrähten hindurch. Gar nicht gemütlich. Dafür begegnet uns unterwegs dieser kleine Freund:

Ziemlich fertig erreichen wir schließlich einen Weg! Theoretisch haben wir damit unsere Strecke für heute geschafft. Die Hälfte des Weges. Aber es ist erst 18 Uhr und wir sind beide in einem guten Trott, sodass wir beschließen noch etwas weiter zu latschen. Dabei halten wir stets Ausschau nach einem properen Schlafplatz. Dieser ist schwer zu finden, da rechts und links von Weg Stacheldrahtzäune verlaufen. An den Stellen wo keiner ist, gibt es nichts, wo man etwas Sichtschutz hat, oder der Boden ist voll von den kack Stachelbüschen. Also beschließen wir einfach weiter zugehen. Mittlerweile ist es schon wieder stockfinster und wir beleuchten den Weg mit der Taschenlampe. In der Ferne sehen wir schon die Lichter einer Stadt, das müsste Eilabun sein. Eine christliche Stadt, durch die wir morgen laufen wollten.
Während wir so weiter laufen bemerken wir, dass wir Eilabun schon erreicht haben. Wir sind über glücklich, als wir eine Tankstelle sehen. Auf dem Klo wasche ich erstmal meine Beine ab, da ich im Dunkeln einmal heftig weggerutscht bin und die Schürfwunden vom Staub und Dreck befreien möchte. Und auch so tut es gut sich etwas waschen zu können. Am Parkplatz der Tankstelle genießen wir eine kalte Flasche Cola, Eis und Kekse.

Nach diesem ultimativen Zuckerschock sind wir wieder hellwach und fühlen uns, als ob wir die ganze Nacht durchlaufen könnten. Also weiter, denn auch hier sieht nichts nach einem geeigneten Schlafplatz aus. An der Straße geht es noch eine gutes Stück gerade aus. Wir erreichen einen Kreisverkehr, bei dem es nur nach links oder rechts ab geht (und beides sind Auffahrten auf den Highway). Laut Johannas Handy müssen wir geradeaus. Dort ist nur ein großes schwarzes Nichts zu sehen. Als wir näher an den Rand kommen, sehen wir, dass es ziemlich steil und steinig bergab geht, und tatsächlich, da unten ist ein kleiner Feldweg zu sehen. Nur wie kommen wir da jetzt herunter? Etwas weiter links scheint es nicht ganz so steil zu sein, also versuchen wir es dort. Mehr gerutscht als gelaufen stolpern wir herunter.

Den Weg hinein sieht man rechts beleuchtet einen große Militärbasis. Und nach einer knappen Stunde finden wir links am Berg, etwas hoch einen Busch hinter dem wir endlich unser Nachtlager aufschlagen. Es ist auch schon 22 Uhr und damit sind wir seit 11,5 h auf den Beinen (wovon nur 2h Pause waren) also viel zu lange gelaufen, und das ist spürbar. „Layla tov!“

Samstag, 13.10.18
Genau wie gestern kommen wir gegen 10 Uhr los. Nur ist  es heute von Anfang an anstrengender. Man spürt die Beine und Schultern von gestern. Und es gibt weder Wind noch Wolken, es ist also sehr heiß. Es geht schleppend voran, sodass wir schon nach einer Stunde im Schatten eines einzelnen Baumes rasten. Im Sitzen schlafe ich fast ein oder zumindest döse ich ein bisschen vor mich hin.

Die Mittagssonne macht das Vorrankommen nicht einfacher. Der Rucksack ist schwer, die Schultern tun weh, der Nacken ist verkrampft, und die Kilometer wollen einfach nicht vorbeifliegen.

Nachdem wir recht lange einen steilen Feldweg hinauf gestiegen sind, können wir schon den See Genezareth in der Ferne erkennen. Wir machen mal wieder eine Pause und müssen nach einem Blick aufs Handy feststellen, dass unser Weg am Fuße des Feldweges, den wir soeben mühsam hinaufgestiegen sind, weiter gegangen wäre. Wir sind beide echt nicht motiviert, den Weg wieder zurück zulaufen. Also schauen wir nach einem Alternativweg. Anscheinend sind wir nicht weit von Tiberias entfernt und wenn wir die Abkürzung an der Straße entlang nehmen, brauchen wir nur noch eine Stunde bis zur nächsten Bushaltestelle. Und ganz ehrlich, wir haben beide keine Lust, noch mehr zu wandern.  An der Straße zu laufen macht zwar echt keinen Spaß, aber ich habe meinen Blick eh die ganze Zeit auf meine Füße gesenkt. Das Letzte Stück geht die Straße nochmal sehr steil bergauf und ich sehe nur meine leuchtend orangenen Schuhe sich auf dem glühend schwarzen Asphalt voreinander setzen. Aus dem Augenwinkel erkenne ich am Straßenrand einige leere Coladosen. Der Gedanke an eine eiskalte Cola lässt mir das Wasser im Munde zusammen laufen. Wie weit ist es denn noch? Für einen kurzen Moment hebe ich den Kopf und blicke auf eine zauberhafte Landschaft. Ein blauer See, dessen Farbe mit dem Horizont verschwimmt. Für solche Anblicke hat sich dann plötzlich alles gelohnt.

Jetzt ist es auch nicht mehr weit bis zur Bushaltestelle und der nächste Bus nach Afula fährt auch schon in 40 Minuten. Was für ein Wochenende. Und wie gut es doch tut, abends völlig erschöpft ins Bett zu fallen und vor allem das Land mal von einer anderen Seite zu sehen.

Malin Schmitz

Zwischenbericht: Wochenendtrip nach Mitzpe Ramon

Unser Ziel am Freitag ist Mitzpe Ramon, eine israelische Kleinstadt in der zentralen Negev-Wüste, 80 km südlich von Be’er Scheva. Dort befindet sich der Machtesch Ramon (Ramon-Krater). Er ist der größte Erosionskrater in der Wüste Negev. In der weitesten Ausdehnung misst er fast 40 km. Der gesamte Krater ist ein Natur- und Landschaftsschutzgebiet und nur eine nachhaltige touristische Nutzung ist erlaubt.

Nach einer ca. 4,5 stündigen Busfahrt landen wir irgendwo im nirgendwo. Nur ein paar Häuser und dazwischen ein selbstgemaltes Schild „Mati & Roni’s Guesthouse“, unsere Unterkunft für die Nacht.

Wir gehen durch ein Tor und stehen in einem kleinen Innenhof. In der Mitte knistert ein Lagerfeuer auf dem etwas brutzelt. Rundherum stehen Zelte mit Matratzen. Kleine Sitzecken und bunte Decken laden zum gemütlichen Beisammensein ein. Wir betreten das Haus. Wir stehen in einer Art Wohnzimmer. Kleine Tische und Stühle, ein alter Kamin und die an den Wänden hängenden Instrumente betrachte ich neugierig. Liebevoll ist alles gestaltet, herrlich unperfekt. Im Hinterhof werden wir von einem alten Mann (dem Gasthausbesitzer) zum Tee eingeladen. Wir setzen uns in eine Sofaecke und schlurfen den viel zu süßen und viel zu heißen Tee. Er wurde aus frischen Kräutern soeben zubereitet.

Nachdem wir herzlich in Empfang genommen wurde und in Ruhe ankommen konnten, machen wir uns auf den Weg zum Krater. Ich denke, dass hier Bilder am besten sind, um die Aussicht zu beschreiben. Diese Weite und scheinbare Grenzenlosigkeit. Einfach  hier oben zu stehen und in die Ferne zu blicken, vermittelt ein unendliches Gefühl von Freiheit. Eine atemberaubende Stille.

Wir laufen weiter am Krater entlang, bis wir zu einer Aussichtsplattform (Camel-Outlook) gelangen, von wo aus wir den Sonnenuntergag betrachten wollen.

Im Licht der untergehenden Sonne erscheinen die Wüstenhügel und der Krater im Osten in einem sanften lila Ton, während sich ein großer Schatten langsam den Hügelspitzen nähert, bis nur noch der oberste Zipfel beleuchtet ist. Schaut man in die Sonne, so strahlt sie nach obenhin ein grelles Gelb auf blass blauen Hintergrund. Darunter, Richtung Horizont färbt sich der Himmel orange bis in ein helles, rötliches Schimmern. Auch die Hügel der Skyline sind in einen blassen lila Hauch gehüllt. Die Steine direkt an meinen Füßen haben noch denselben beigen Ton wie den Tag über.  Vielleicht mischt sich sogar ein olivgrünes Tuch über das Beige. Es ist sehr windig. Es erinnert eher an einen Tag an der Nordsee. Die Farbintensität des Himmels nimmt stetig zu indes die Sonne gen Horizont schleicht. Auch die gelben Strahlen werden weniger, sodass die Sonne als Kreis erfassbar ist. Als sie den Horizont küsst, ist das Gelbe und Orange komplett verschwunden. Es geht auf einmal ganz schnell. Lila, Magenta und ein helles Leuten geht unter. Die Menschen um mich herum versuchen diesen belebenden und gleichzeitig beruhigenden Moment mit ihren Kameras festzuhalten. Am Ende hat man dann ein Foto, was auf jedem kitschiegen Bildkalender wiederzufinden ist. Ich denke auch nicht, dass es mit Worten geht, diesen Eindruck festzuhalten. Aber vielleicht erinnert sich jemand bei meiner Beschreibung an einen Sonnenuntergang, den er selbst erlebt hat und kann somit meine Empfindung nachvollziehen.

Nach dem Sonnenuntergang gehen wir nochmal zum Guesthaus, holen uns Decken und laufen wieder zurück. Es ist mittlerweile sehr stürmisch und der Sand fegt durch die Luft. Hinter einem großen Stein finden wir zumindest aus einer Richtung Schutz vor dem Wind. Wir kuscheln uns aneinander, denn es ist echt kalt geworden. Erwartungsvoll richten wir unsere Blicke nach oben und gedulden uns, bis es richtig dunkel ist. Mittels einer App scannen wir den Himmel, um somit zu erfahren, wo welches Sternzeichen zu finden ist. Begleitet von nerviger Entspannungsmusik, zeigt die App direkt vor uns den Mars an. Links daneben entdecke ich auf dem Handy Bildschirm ein Dreieck. Die App zeigt an, dass es der Steinbock ist. Ich löse meinen Blick vom Bildschirm und schau in den echten Himmel.  Es ist so riesig, ich habe mein Sternzeichen noch nie im echten Sternenhimmel erleben dürfen. Jeder einzelne Stern  leuchtet hell. Ich kann das Zeichen nicht nur erahnen sondern klar und deutlich sehen. Es ist wunderschön. Der gesamte Himmel ist übersäht mit Glitzer. Erst spät in der Nacht, als wir die Kälte nicht mehr aushalten können, gehen wir.

Nachdem wir gestern die Sonne verabschiedet haben, begrüßen wir sie heute Morgen um 6:00.  Wir legen uns an den Rand des Kraters und lassen uns die ersten Sonnenstrahlen ins Gesicht scheinen.

Zum Frühstücks-Picknick bekommen wir sogar noch etwas Gesellschaft.

Bevor wir los wandern, gehen wir noch zur Touristen Info in das Museum des Mitzpe Ramon. Dort lassen wir uns beraten welche Routen man durch den Krater wandern kann. Wir entscheiden uns für einen Weg der ca. 4,5 Stunden dauert. Empfohlen werden 1l Wasser pro Person pro Stunde. Um 9:00 latschen wir los. Zunächst müssen wir hinunter in den Krater. Ein sehr steiniger Weg mit Rutschgefahr.

Ohne Schatten aber mit vielen Trinkpausen kommen wir langsam voran. Es gibt unglaublich viele verschiedene Gesteinsarten, Farben und Oberflächen.

Auch an dem einzigen Baum im gesamten Krater kommen wir vorbei.

Auf unserem  Weg erwartet uns noch ein weiteres  Highlight. Ein See, der mittlerweile zu einer kleinen Wasserstelle geschrumpft ist. An der Oberfläche ist das Wasser wohlig warm und unten erfrischend kalt. Perfekt. Der Boden ist 10-20cm mit Schlamm bedeckt. Da bleibt eine kleine Schlammschlacht nicht aus.

Auf der guten Hälfe des Weges verpassen wir eine Abbiegung, sodass wir die Route um eine gute Stunde verlängern und einfach noch ein Stück tiefer in die Wüste wandern. Uns scheint die heiße Mittagssonne auf den Pelz. Wir legen immer öfter eine Pause ein. Schließlich kommen wir an die Hauptstraße, die quer durch den Krater Richtung Eilat führt.

Gegen 15:00 erreichen wir dann auch schon wieder unser Hostel. Perfekt, denn keine Stunde später fängt es aus dem Nichts heftig an zu regnen und da der trockene Wüstenboden überhaupt kein Wasser aufnimmt, entstehen direkt kleine Flüsse. Ich kann mir vorstellen, wie sich auch die Flussbette, durch die wir soeben noch im Krater gewandert sind, mit Wasser füllen und das nicht ganz ungefährlich ist. Da ist es hier mit einem bei einer Tasse Tee doch viel gemütlicher.

Malin Schmitz

TAMLI-Zwischenseminar 2016

von Lara, TAMLI-Volontärin 2015/2016

Das TAMLI-Zwischenseminar fand vom 25. bis zum 27. Februar 2016 in Beit Uri statt. Teilgenommen haben die elf deutschen Voluntär*innen aller Organisationen, die zu dieser Zeit in Beit Uri arbeiteten. Rebecca und David leiteten als Vertretung TAMLI’s das Seminar.

Offizieller Beginn des Seminars war Donnerstag um 10 Uhr, als es zum Tagesausflug ans Tote Meer in die Negevwüste ging. Begleitet wurden wir von der Voluntärsbeauftragten Beit Uri’s, Nicole Emmerik. Auf der Fahrt nach Ein Gedi wurden lustige Spielchen gespielt, denen man sich auch nicht so leicht entziehen konnte. Also fuhren wir Karaoke singend durch die Weiten Israels. In Ein Gedi folgte dann eine wunderschöne Wanderung durch den Nationalpark. Beim Waten und Wandern wurden schon die ersten Gespräche über die allgemeine Stimmung geführt. Da Rebecca und David ebenfalls Voluntär*innen Beit Uri’s waren, hatte man viele gemeinsame Erfahrungen zu teilen, durch die die Stimmung schnell vertraut und freundschaftlich wurde. Nachmittags ging es weiter nach Ein Bokek, wo am Strand auch die Badehöschen herausgeholt wurden. Glücklich und geschafft fielen alle nach der Wiederankunft ins Bett.Zwischenseminar 2016

Am 26. Februar wurde dann der zweite Teil des Seminars gestartet. Als erstes wurden Erwartungen ans Seminar sowie die Ziele TAMLI’s zusammengetragen. Bereits nach der Willkommensrunde, bei der alle ihren Sitznachbarn vorstellen sollten, wurde schnell das Grundproblem der Gruppe klar. Sätze wie: „ Das ist x, x arbeitet in Haus y und wohnt in der anderen WG, sodass ich nicht wirklich mehr sagen kann…“, brachten eine gewisse Gruppenspaltung ans Licht.

In Block 1: „Ich in Beit Uri“ sollte das Leben und die Stimmung in Beit Uri reflektiert werden. Zu Beginn wurde dazu der erste mit dem letzten Arbeitstag verglichen. Zusammengefasst stellten alle fest, dass der erste Tag eine Mischung aus Überforderung und Neugier war und der letzte dagegen die pure Routine. Schnell kam dann aber auch der Gruppenzusammenhalt als Thema auf. Als Ursache für die Spaltung wurde die räumliche Trennung der beiden WG’s und die damit verbundene fehlende Kommunikation benannt. Da beide Seiten sehr an einer gemeinsamen Gruppe ohne ständig belastende Streitigkeiten interessiert waren, wurde als Lösung ein wöchentlicher Termin festgesetzt an dem jeweils eine WG kocht und alle zusammen essen. Bei einem Seminar mit WUP und Redeente braucht es natürlich auch Raum, einen Weg des Erkennens zu beschreiten, der gleichzeitig ein Weg der Selbstentwicklung ist; ein Weg, der die eigene geistige Kraft im Menschen aktiviert.

Am Abend folgten das gemeinsame Abendessen und lange persönliche Gespräche bis tief in die Nacht. Alles in allem kann man sagen, dass das Seminar einen guten Rahmen für weitere Konversationen zwischen den WG’s gebildet hat, jedoch war kein Platz für die Austragung des direkten Konflikts.

Zwischenseminar 2016

Der nächste Tag begann um 9 Uhr mit dem Frühstück und dem Themenblock 2. „Ich in Israel“. Dabei wurden den Voluntär*innen die Gefahren des Trampens und des Reisens noch einmal bewusst gemacht. Ebenfalls wurde das Medienbewusstsein bezüglich Angaben von Namen, Daten und Fotos in eigenen Blogs geschärft.

Im Block 3: „Arbeit in Beit Uri“ ging es um Probleme, wie Überstunden, Voluntär*innen als ‘worker-Ersatz’ und unzureichende Einarbeitung. Für die nächste Volo-Generation werden jetzt Hefte von den jeweils im Haus arbeitenden Voluntär*innen gemacht, mit Abläufen und Informationen über Bewohner*innen. Da alle in dem halben Jahr noch viel erreichen können, wurde sich noch ein Ziel bzw. Projekt gesucht, an dem man mit bestimmten Bewohner*innen bis August arbeiten kann. Am Ende erinnerten Rebecca und David an die Endlichkeit des Jahres und an ein Leben nach dem Jahr, das die Volontär*innen gerne verdrängen in der schönen Blase Beit Uri’s.

Erfahrungsbericht 2014/2015

Ein ganz normaler Tag in Beit Uri
__________________________________________________

von Ellen Werner

Ich wohne mit sechs anderen Volontären in Beit Uri, einem Heim für Menschen mit Behinderung in Israel. Insgesamt sind dieses Jahr 12 Volontäre aus Deutschland gekommen, um das Heim zu unterstützen, Israel kennen zu lernen und eine lehrreiche Zeit weit weg von zu Hause zu verbringen. Wir arbeiten in der Regel 40 Stunden pro Woche und haben jedes zweite Wochenende 2 freie Tage. Aber natürlich haben wir noch Urlaub, den wir nehmen können. Zu unseren Aufgaben in den Wohnhäusern der Bewohner gehört es, zu pflegen, also duschen, anziehen und Essen vorzubereiten. Aber auch therapeutische Tätigkeiten, wie Hilfestellung bei dem Herstellen der handgearbeiteten Produkte, die hier für den Verkauf produziert werden, gehört dazu. Das Heim entlohnt uns mit einem kleinen Taschengeld, wir dürfen kostenlos hier wohnen und Essen sowie Kosmetikartikel kriegen wir gestellt. Die Arbeit ist nicht einfach, aber wunderschön und sehr wertvoll. Wie mein Leben hier aussieht, kann ich am besten mit einem etwas abgeänderten Tagebucheintrag darstellen.

Heute war ein schöner Tag, zumindest der Abend war toll. Wir haben Pizza geholt und alle zusammen einen Film geschaut. Der Hundertjährige, der aus dem Fenster sprang und verschwand, das war echt cool. Davor war ich mit einer anderen Volontärin in Afula, der nächstgelegenen Stadt, einkaufen. Es hat echt gut getan, mal wieder Luft außerhalb der Welt von Beit Uri zu schnuppern. Heute Vormittag war ich ziemlich genervt von meiner WG, weil das mit dem Abwasch nicht so richtig funktionieren will, aber das wird schon. Der Chor hat mir echt gut getan, das Singen macht mir Spaß. Danach habe ich mit meinem Hauschef über meine Überstunden gesprochen und endlich den Mut gefunden, ihm zu sagen, dass ich nicht mehr so viele Überstunden leisten will. Nach ein bisschen Unstimmigkeiten habe ich einen kleinen Erfolg erziehlt, jetzt werde ich immerhin gefragt, ob ich nicht in dem Plan geschriebene Überstunden machen will. Mein besonderer Schützling, ein Mädchen das stark autistisch ist, hat nach ihrem morgendlichen Anfall auf der Schaukel endlich mal wieder gelacht. Solche Momente zu sehen, sind unendlich schön. Die Arbeit mit Menschen mit Behinderung ist einzigartig und wunderschön. Ich habe dieses wundervolle Privileg, mit wunderbaren Menschen arbeiten zu dürfen. Trotzdem kann es echt anstrengend werden. Deswegen freue ich mich schon auf den Wanderausflug mit einer Freundin am Wochenende. Die Natur hier ist einfach einzigartig schön und unglaublich vielfältig. Morgen muss ich wieder früh raus…

Die Tage sind eine Mischung aus harter Arbeit und unglaublich schönen Momenten. Menschen zu pflegen, vor allem der enge Körperkontakt ist nicht für jeden etwas, aber wer sich darauf einlässt, wird in diesem Jahr einzigartige Menschen kennenlernen und sich sehr weiterentwickeln. Zurückblickend war dieses Jahr und vor allem diese Arbeit unglaublich hart und ich hatte oft zu kämpfen, aber ich habe so auch sehr viel über mich selbst gelernt. Ich habe so viele Sachen gelernt und werde so viel reicher nach Deutschland gehen. Wer bereit ist zu geben, kann unglaublich viel aus diesem Jahr rausziehen. Eine Erfahrung, die ich jedem raten würde.