Erste TAMLI-Infoveranstaltung für Interessierte

TAMLI möchte an Schulen mehr Werbung für den Freiwilligendienst in BEIT URI machen. Das haben wir bei der TAMLI-Mitgliederversammlung 2021 entschieden. Und so hat sich Daniela gleich an die Arbeit gemacht und 15 Schulen ehemaliger Freiwilliger angeschrieben. Den Schulen, die geantwortet haben, hat sie Info-Materialien und Plakate von TAMLI zugeschickt.

Außerdem haben wir den Schulen eine Online-Informationsveranstaltung für Interessierte an einem Freiwilligendienst in Israel angekündigt. Die erste dieser Veranstaltungen fand am 14. Dezember statt. Obwohl die Teilnahme überschaubar war, werden weitere Veranstaltungen folgen.

Erste TAMLI-Online-Infoveranstaltung für Interessierte an einem Freiwilligendienst in BEIT URI

So hoffen wir, über den direkten Kontakt mit Schulen und Schüler*innen der Abschlussklassen neue Freiwillige zu gewinnen – insbesondere nachdem der Besuch von Schüleraustausch-Messen wegen der Pandemie nicht mehr so leicht möglich ist.

TAMLI-Mitgliederversammlung 2021 am 13./14. November 2021

Wie schön! Nachdem letztes Jahr die meisten Mitglieder nur virtuell an der TAMLI-Jahresmitgliederversammlung teilnehmen konnten, war es in diesem Jahr dank der 3G-/2G+-Regeln möglich, dass sich über 15 Mitglieder und Rückkehrer*innen in der Gäste-Etage zusammenfinden konnten.

Trotz Pandemie kann der Vereinsvorstand auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Es gab im März 2021 ein virtuelles Zwischenseminar – und kurz vor Dienstende im Juni ein zweites Follow-up-Seminar mit den Freiwilligen in Israel. Das Vorbereitungsseminar 2021 fand für dreieinhalb Tage erstmals außerhalb von Berlin in Karsdorf statt. Das sorgte für eine konzentrierte Atmosphäre, in der sich die zukünftigen Freiwilligen sich kennenlernen konnten.

Denn dieser Jahrgang 2021/2022 ist einer der größten der letzten Jahre. Nach BEIT URI wurden zwei TAMLI-Freiwillige, 14 Freiwillige der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. und ein Freiwilliger von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) entsandt.

Auch innerhalb des Vereins hat sich viel getan: Das bei der Mitgliederversammlung 2020 neugegründete TAMLI-Redaktionsteam hat Sticker gestaltet, ein Konzept für ein neues Vereinslogo erstellt und die Öffentlichkeitsarbeit modernisiert und neu strukturiert.

Mit diesem erfolgreichen Vereinsjahr endete die 4-jährige Vorstandszeit von Theresa Mörsen. Der Verein dankte ihr für das langjährige, unermüdliche Engagement. Als ihr Nachfolger wurde Sven Joest gewählt, der nun mit Ellen Werner und Leah Leicht den Vorstand bildet.

Zum erweiterten Vorstand gehören fortan folgende Beisitzer*innen:

1. Beisitzerin für Finanzen I / Kassenwartin:                        Maria Skoruppa

2. Beistzer für Finanzen II / Kassenwart:                              David Meier

3. Besitzerin für Seminare:                                                    Anna Licha

4. Besitzerin für den Newsletter:                                          Uta Tölle

5. Besitzer für Öffentlichkeitsarbeit / Redaktionsteam:     Hai Long Le

6. Beisitzer für Datenschutz:                                                Robert Weisemann

Die Kassenprüfer Anselm Fliethmann und Mario Bomers wurden von den Anwesenden für ein weiteres Jahr bestätigt.

Ein Einblick in das dieses Jahr erstmalig stattfindende Online-Zwisi-FollowUp

R. M. Rilke: “Sei jedem Abschied voraus!”

Gießen / Giva’at HaMoreh
Nachdem das diesjährige Zwischenseminar für die aktuelle Volontärsgeneration im März über drei Tage online stattfand, wurden Projekte, Ideen und das große Thema des immer näher rückenden Dienstendes vergangenen Sonntag (20. Juni 2021) nochmal aufgegriffen. Diesmal leiteten Linda und Uta das Seminar von Gießen aus und verbrachten effektive Stunden im Austausch mit der siebenköpfigen Vologruppe, die es sich in der gemeinschaftlichen Küche der ‘Dira lemalah’ gemütlich machte.
Die Idee dieses Jahr noch einen zweiten Zwisi-Teil durchzuführen entstand während der Seminarzeit im März, als klar wurde, dass das freie und uneingeschränkte Volo-Leben in Beit Uri und auch in Israel allgemein gerade erst seinen Anfang nimmt und an Abschied, Rückkehr und Zukunftsplanung noch kaum zu denken war.
Natürlich veränderten sich auch die Abläufe und Alltäglichkeiten Beit Uris durch Corona. Mittlerweile dürfen wieder gemeinsame Wochenabschlüsse und jüdische Festtage in der großen Ulam gefeiert werden. Ab September soll auch eine Rückkehr in die individuelle Workshopeinteilung wieder möglich sein und das Konzept der einzelnen sogenannten Zellen Beit Uris, die durch die Häuserstruktur gegeben war, wieder Geschichte sein.

Die Volontär:Innen berichteten von ihren Erlebnissen und Begegnungen der letzten drei Monate. Ganz aktuell kamen sie von einem Konzert in Tel Aviv wieder und fröstelten noch etwas, dank der kühlen Masgan-Luft im Bus zurück. Frösteln – ein Gefühl, dass die Leiterinnen bei knapp 30° Zimmertemperatur in einem Gießener WG-Zimmer neidisch werden lies.
Die allgemeine Stimmung ist positiv. Die Beschäftigung mit den im März entwickelten Projekten und Ideen für die Arbeit mit den Membern verdeutlichte die immer größere Sicherheit und Selbstständigkeit, die im Laufe des Jahres gewonnen wird.

Den zweiten Teil dominierte das große Thema des bevorstehenden Abschiedes. Es werden nicht alle Volos zur selben Zeit zurückkehren, da ja auch die Einreisetermine sich über den Zeitraum von einem viertel Jahr erstreckten. Der etwas bittere Beigeschmack des Abschiedes konnte mit im Zweiergespräch erarbeiteten Strategien und gesammelten Dingen, auf die sie sich zurück in der Heimat freuen, abgemildert werden.
Rilkes Hinweis dem Abschied voraus zu sein, sind wir so gut es ging gefolgt. Ganz voraus sein scheint unmöglich und doch ist das Thema nicht aus dem Kopf verbannt. Es zeigt trotz der noch aufregenden und wahrscheinlich sehr schnell vergehenden letzten Monate eine gesunde Präsenz.

Willkommen in der Zukunftsmusik

Über das Zwisi 2021 und die Lage in Beit Uri während der Corona-Pandemie

Mit erwartungsvollen Blicken nach vorn, in die zweite Hälfte des Dienstes, ging das diesjährige Zwischenseminar am 6.März zu ende. Drei Tage haben die derzeitigen Volontär:Innen mit Linda und Uta, (Jahrgang 2014/15) online zusammengesessen und von morgens bis zum späten Nachmittag Erfahrungen ausgetauscht, die bisherige Zeit rückblickend betrachtet und gemeinsam die verschiedenen Facetten des Volontärseins in Beit Uri beleuchtet.

Der Blick nach vorn: die Volo-Gruppe 2021 auf ihrem Ausflug in die Wüste


Durch einen glücklichen Zufall kam auch der gemeinsame Ausflug während des Zwisis nicht zu kurz, denn Chen hatte unabhängig von uns einen Trip in die Wüste geplant und so konnten die Volos schon dort etwas ins Thema einsteigen. Am Abend der Rückreise nach Beit Uri haben sich die Seminarleiterinnen und Volontär:Innen kurz online kennenlernen können. Der Seminarrahmen wurde besprochen und vor Ort nötige Orga-aufgaben verteilt.
Der richtige Start war dann am Donnerstag früh, natürlich erstmal mit einem WUP. WUP=Warm Up. Sie sind eine tolle Möglichkeit den Kopf frei zu bekommen und dann konzentriert in ein Thema einzusteigen, außerdem bringen sie eine Menge Spaß. So mancher Whiskey-Mixer fand seinen Lieblingspilz und verfing sich im gordischen Knoten.

Die vier auf Donnerstag und Freitag verteilten Themenblöcke regten Gespräche an, brachten Kunstwerke hervor und riefen so manche Tatsachen ins Bewusstsein. Dank anfänglicher Schwierigkeiten mit der Technik und Raumbelegung zogen die Volos Donnerstagmittag aus der kleinen Ulam in den Raum des Snoozland-Workshops (Der ist !NEU! – mehr erfahren wir im jährlichen Newsletter). Dort lies es sich gemütlich vor einem gemeinsamen Laptop rumlümmeln und die Verständigung mit den in Altenberg in Utas Wohnzimmer sitzenden Leiterinnen war unproblematisch – ein echter Zugewinn für die Atmosphäre.

Neben den die Arbeit und das Leben in Beit Uri einschränkenden Auswirkungen de Pandemie, war es bis dato natürlich schwierig für die Volontär:Innen, die von den ehemaligen Volos beschriebene Schönheit der Gegenden in Israel zu erkunden. Mittlerweile, drei Wochen nach dem Seminar, wurden schon viele Lockerungen umgesetzt. Das Reisen im Inland und Besuchen von öffentlichen Einrichtungen, sowie Kulturveranstaltungen ist mit einem Ausweis-Konzept wieder möglich. Auch in Beit Uri selber dürfen die Member der verschiedenen Häuser sich wieder treffen, es gibt wieder gemeinsame Festivitäten in der Ulam, wenn auch in der Teilnehmeranzahl beschränkt. So kamen zum letzten Monatsbeginn zumindest wieder vier Häuser zusammen, um den Monat gemeinsam zu begrüßen.

Für uns hier in Deutschland sind Zusammenkünfte mit dieser Menge an Menschen noch Zukunftsmusik, doch in Israel ist es zunehmend die wiedergewonnene Realität.
Während des Seminars lag schon der mit Sehnsucht eingesogene Duft der Freiheit in der Luft. Jetzt ist er schon stetiger Alltagsbegleiter, wenn auch noch nicht in seiner vollen Entfaltung.

hybride TAMLI-Jahresmitgliederversammlung 2020

Mein letztes Vorstandsjahr habe ich mir sicherlich anders vorgestellt: Das erste Mal seit dem Libanon-Krieg 2006 (und das lag weit vor meinem Freiwilligenjahr 2010/2011) mussten wir Freiwillige zurückholen. Auch die TAMLI-Jahresmitgliederversammlung (JMV) am 15. November 2020 – üblicherweise eine Art geselligem Klassentreffen der letzten TAMLI-Freiwilligenjahrgänge – wurde von der COVID-19-Pandemie überschattet. 

Die 29. Vereinszusammenkunft fand deshalb 2020 hybrid statt: Vier Vereinsmitglieder in der Gäste-Etage in Berlin-Wedding und über den Tag verteilt mehr als zwanzig Mitglieder virtuell in ihren Wohnzimmern, Arbeitszimmern, Küchen oder Autos.

Das hybride Format, so gewöhnungsbedürftig es auch sein mag, ermöglichte es auch TAMLI-Mitgliedern, die eine weite Anreise nach Berlin gehabt hätten und/oder die Kinder betreuen mussten, teilzunehmen. Auch Mitglieder, die seit Jahren (oder noch nie) bei einer Mitgliederversammlung dabei sein konnten, nahmen dieses Mal für einige Zeit teil. 

Die JMV und das anschließende Arbeitstreffen haben wir auf einen Tag gestrafft. Das schien uns angesichts des Formats machbarer. Leider fiel dann das gesellige Abendessen, der obligatorische Stammtisch und die durchzechte Nacht in Berliner Bars und Clubs weg. 

Besonders stolz war ich, dass wir zum ersten Mal, den Kassenbericht anhand von Charts und Diagrammen vorgestellt haben – das machte es meiner Meinung nach etwas anschaulicher und war auch dem digitalen Format geschuldet, dass die Aufmerksamkeitsspanne dezimiert. 

Für das Arbeitstreffen wurde die Mitgliederversammlung in Breakout-Sessions aufgeteilt – und siehe da: es waren ziemlich produktive Workshops. Die Seminare wurden weiterentwickelt. Wir haben uns Gedanken zur Zukunft unseres Vereins gemacht. Und das Ergebnis des Workshops zur Öffentlichkeitsarbeit ist die Gründung eines TAMLI-Redaktionsteams, das sich regelmäßig zu den verschiedenen Möglichkeiten, TAMLI bekannter zu machen, austauschen möchte.

Wahlen gab es auch – virtuell und größtenteils anonym mit dem Zoom-Umfragetool. Theresa Mörsen, die bereits drei Jahre Vorstandserfahrung hat, wurde wiedergewählt. Ich wurde nach fünf Jahren im Vorstand abgewählt und freue mich, dass Leah Leicht meine Vorstandsarbeit weiterführt. Ellen Werner wurde erst im Vorjahr gewählt.

Neue Beisitzer*innen gab es auch:

Beisitzerin für Finanzen I / Kassenwartin – Maria S. 

Beisitzer für Finanzen II / Kassenwart – David M.

Beisitzer für das Vorbereitungsseminar – Tim S.

Beisitzerin für das Zwischenseminar – Linda K.

Beisitzerin für Rückkehrer*innenseminar – Anna L.

Beisitzerin für den Newsletter – Uta T.

Beisitzer für Öffentlichkeitsarbeit/Redaktionsteam– Hai Long L.
Kassenprüfer: Anselm F., Mario B.

Dem neuen Vorstand und den neuen Beisitzer*innen wünsche ich viel Erfolg!

Herzliche Grüße

David Meier

Aus dem zweiten Jahr

Zwischenbericht aus dem zweiten Freiwilligenjahr – Robert Weisemann (Februar 2019)

Mein Name ist Robert Weisemann und ich befinde mich zurzeit im zweiten Jahr
meines Freiwilligendienstes im heilpädagogischen Heim Beit Uri im Norden Israels.

Bereits nach der Hälfte meines Auslandsjahres 2017/18 stellte ich fest, eine besondere Verbindung zu meiner Einsatzstelle, zu Land und Leuten gefunden zu haben und setzte mich mit dem TAMLI e.V. – zu dieser Zeit hatte ich noch einen anderen Träger – in Verbindung, um diese Erfahrung um ein weiteres Jahr zu verlängern und intensivieren zu können.

In diesem Zwischenbericht möchte ich sowohl von meinen persönlichen Erfahrungen in Bezug auf meinen Freiwilligendienst als auch über die Unterschiede zu meinem ersten Jahr in Israel berichten – und vielleicht auch den ein oder anderen zu einer Verlängerung des Freiwilligenverhältnisses anregen.

Das Heim – Beit Uri

Beit Uri (zu Deutsch: Uris Haus) ist ein Heim für rund einhundert geistig schwerbehinderte Menschen im Alter von 6 bis 60 Jahren und befindet sich auf dem Givat HaMoreh, in unmittelbarer Nähe zur 40.000-Einwohner-Stadt Afula, in Nordisrael.
Das Heim wurde 1969 von Dvora Schick gegründet, einer Shoah-Überlebenden, die der Einrichtung den Namen ihres verstorbenen, geistig behinderten Sohnes Uri gab, mit dem sie aus Deutschland nach Palästina geflohen war.

Die Einrichtung gliedert sich in 5 Häuser für erwachsene Member Beit Uris, zwei Kinderhäuser, ein Haus für externe Kinder zur Tagesbetreuung und zwei Außenwohngruppen auf. Ein weiteres Gebäude befindet sich momentan im Bau und soll voraussichtlich im August in Betrieb genommen werden. (Das Haus wurde mittlerweile eröffnet.)

Tagsüber arbeiten die Member speziell nach ihren Fähigkeiten zugeteilt in einem der Workshops oder besuchen eine der vielen Schulklassen Beit Uris. Die Arbeit erstreckt  sich  von  handgemachten  Waren  wie  Kerzen,  Keramik  und  Körben, körperlicher Arbeit  in  Garten  und  Hof  bis  hin  zur  Unterstützung  der  täglichen Essenszubereitung. Weiterhin werden in der Schreinerei unter anderem Möbel für den Eigenbedarf hergestellt.

Die Volontärsarbeit dient dazu, die Belegschaft in Workshops und Häusern zu unterstützen und insbesondere den Membern Beit Uris in der Bewältigung ihres Alltag zu helfen – und „frischen Wind“ und Enthusiasmus in die Einrichtung zu bringen.

Zur meiner persönlichen Erfahrung

Nachdem ich mich im ersten Jahr im Hofworkshop um die Aufrechterhaltung der äußeren Ordnung der Einrichtung gekümmert hatte, wechselte ich im zweiten Jahr zur Schreinerei, um durch die Arbeit neue Fertigkeiten und Member kennenzulernen (und in der Hoffnung, mein Hebräisch noch etwas zu verbessern).
Auch wechselte ich von Beit Zfoni (dem nördlichen Haus) zum Beit Maravi (dem westlichen Haus), um so viel wie möglich von der Arbeit in den Häusern des Heimes sehen zu können.

Tatsächlich hatte ich am Anfang des zweiten Jahres sowohl im Haus als auch im Workshop das Gefühl, wieder als neuer Volontär anzufangen, auch wenn zum Beispiel die Kommunikation – durch die bereits vorhandenen Hebräischkenntnisse und das Vertrauen der meisten Member und Worker – eine wesentlich bessere war als zum Anfang des ersten Jahres. Es dauerte dennoch einige Monate, bis ich wirklich ein akzeptierter Bestandteil beider Gruppen wurde und mich in meiner Arbeit sicher fühlte. Wie im Jahr zuvor besuche ich zweimal in der Woche die Proben des heimeigenen Chors und Orchesters; neu dazu gekommen sind zwei Proben der „Chug Drama“ genannten Theatergruppe, bei welcher Member und Mitarbeiter zusammen Theaterstücke ausarbeiten und zu besonderen Gelegenheiten aufführen. Weiterhin helfe ich regelmäßig in der „Pinat Chai“ aus, pflege und füttere also die Therapietiere der Einrichtung.

Das Kennenlernen und Bestandteil einer neuen Gruppe von Volontären zu werden war eine spannende Angelegenheit, vor allem wenn es sich um eine mehr als doppelt so große Gruppe handelt als im ersten Jahr. Das Vertrauen, das mir als Volontärs-„Veteran“ entgegengebracht wurde hat mich sehr in meiner Arbeit bestätigt und den anderen Volontären Sicherheit und Gelassenheit  gegeben. Es ist ein gutes  Gefühl, wenn Menschen zu einem kommen, um nach Rat und Meinung zu fragen und man einfach nur aus seiner Erfahrung heraus helfen kann.

Weiterhin habe ich dieses Jahr versucht, meine geographischen Kenntnisse über Israel zu erweitern. Ich war sowohl im Roten Meer baden (Eilat) als auch in einem Wasserloch in der Nähe des Grabes von Ben Gurion. Die Wüste zählt weiterhin zu einem meiner liebsten Ausflugsziele, um manchmal etwas Abstand von der Zivilisation nehmen aber vor allem um nachts Sterne gucken zu können.

Zu meinen persönlichen Erfolgen kann ich dieses Jahr die Teilnahme am Jerusalem-Marathon (5km) und „Volcano Run“ in den Golanhöhen (15km) zählen. Auch werde ich den Massada-Halbmarathon Ende Juni laufen.

Die unschönste Erfahrung des Jahres ist sicherlich das Erleben des Raketenbeschusses aus Gaza auf die Stadt Ashkelon, wo ich mit meinem Vater Anfang Mai Urlaub machte. Ich bin den Israelis aus meiner näheren Umgebung sehr dankbar, mit ihnen über diese Ereignisse gesprochen haben zu können.
Der Besuch des dreitägigen Menashe Forest Festivals in Megiddo zählte wiederum zu einem der Highlights des Jahres, das mit seinen vielen Livebands und lockeren Stimmung eine schöne Abwechslung zum Arbeitsalltag in Beit Uri darstellte.

Auch drehte ich im Frühling 2019 im Zusammenarbeit mit dem israelischen Wohlfahrtsministerium einen Werbefilm in Beit Uri, um bei jungen Menschen im Ausland Interesse für ein soziales Volontariat in Israel zu wecken. Auf das Ergebnis bin ich sehr gespannt! (Inzwischen gibt es das Ergebnis zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=FymBoPlm178)

Zukunftspläne

Im Gegensatz zu meinem ersten Jahr konnte ich mir endlich klare Gedanken zu meiner Zukunftsgestaltung nach dem Volontariat machen. Durch meine Arbeit in Beit Uri und durch Gespräche mit meinem Workshop-Leiter habe ich mich dazu entschieden, mich in Deutschland für ein Heilpädagogikstudium zu bewerben. Aber ich denke auch dass das Kapitel Israel nicht mit dem Freiwilligendienst enden wird. Ich habe in diesem zweiten Jahr meine Kontakte in Israel noch weiter ausgebaut, neue Freundschaften geschlossen und mal sehen, was erst noch auf mich zukommt.

Alles in allem möchte ich jedem, der das erste Jahr des Volontariats zur Studienfindung nutzen wollte, aber keinen Erfolg hatte, ein weiteres Jahr herzlich empfehlen.

Robert Weisemann

 

Abschied und Rückkehr

Abschied von Beit Uri und Rückkehr nach Deutschland – Jahresabschlussbericht von Hai Long Le

Am Tag vor meinem Abflug drehte ich noch ein letztes Mal eine große Abschiedsrunde durch Bei Uri. Ich verabschiedete mich von den Membern in den einzelnen Häusern und hinterließ ein paar Abschiedsgeschenke für alle möglichen Leute, darunter auch meine Workshopleiterin und die neuen Volontäre, die schon angekommen waren.
Am nächsten Tag setzte ich mich morgens in den Bus und nahm später den Zug zum  Flughafen. Ich fuhr zum letzten mal für lange Zeit den Givat herunter, ich fühlte mich komisch. Während ich die meiste Zeit aus dem Fenster schaute, dachte ich an nichts. Mein Kopf war leer. Ich weiß nicht, ob ich an nichts denken wollte oder an nichts denken konnte. Ich kam endlich am Flughafen an, wo die Zeit interessanterweise durch die Gepäckabgabe und die Security-Checks schnell verging, sodass ich nicht so lange auf meinen Flug warten musste. Ich hatte noch einen Brief eines guten Kumpels erhalten, den ich Stück für Stück langsam las. Es war super nett von ihm, mir noch etwas zu schreiben.

Nach der Landung und dem Einsammeln meines Gepäcks wurde ich dann von meinem Vater und ein paar Freunden abgeholt, von denen ich mich unglaublich gefreut hatte, sie wieder zu sehen, besonders meinen Vater. Wir setzten uns ins Auto und fuhren nach Hause. Meine Freunde scherzten über Israel, was mich aufregte, da sie keine Ahnung von diesem Land hatten. Es fühlte sich komisch an, wie in einer ganz anderen Welt zu sein.
Ich konnte die Straßenschilder ohne Mühen lesen und die Autokennzeichen waren wieder weiß. Meine Freunde berichteten mir von den letzten Trends, die ich in Deutschland verpasst hatte. Ich war mit meinen Gedanken überfordert. Wahrscheinlich konnte ich es noch nicht richtig fassen, wieder in Deutschland zu sein.
Als ich zu Hause ankam, fing ich gleich an mein Zimmer auszumisten. Ich konnte es nicht in dem Zustand sehen, wie es zurückgelassen wurde. Alles musste heraus. Außerdem erschien mir die ganze Wohnung kleiner als zuvor. Das lag an den großen Einrichtungen, die wir in Israel hatten. Ich traf seit langem meinen Bruder wieder, was schön war.

Einige Tage nach meiner Ankunft musste ich aber auch gleich zu einer anderen Stadt acht Stunden entfernt von Berlin fahren um WGs zu besichtigen. Es war recht hektisch so schnell nach meiner Ankunft wieder weg zu fahren. Ich blieb eine Nacht, sah mir ein paar Wohnungen an, wobei ich jetzt schon in eine dieser einziehen konnte, und kehrte dann nach Berlin mit einem Nachtbus zurück. Ich konnte nur bedingt und mit vielen Unterbrechungen schlafen. Da kam ich nun am nächsten Morgen in Berlin zum zweiten Mal in kurzer Zeit an, dieses Mal am Alexanderplatz. Vielleicht lag es am Schlafmangel, den ich wegen der Busfahrt hatte, aber das zweite Mal anzukommen war noch komischer. Zusätzlich musste ich noch mit der S-Bahn nach Hause fahren (das letzte Mal mit der S-Bahn war natürlich schon knapp ein Jahr her…). Erschöpft und müde von der langen Busfahrt kam ich dann zu Hause an und traf den Rest meiner Familie.

Nach einigen Tagen fand ich eine Routine in Deutschland. Ich räumte mein Zimmer auf, kümmerte mich um die anstehenden Universitätspapiere und traf seit langer Zeit Freunde wieder. Das passierte automatisch. Selten dachte ich schwärmerisch an die Zeit in Israel zurück, die sich jetzt schon anfühlt, als wäre sie schon Jahre her.

Jesus Trail (oder so ähnlich)

Der eigentliche Jesus Trail startet in Nazareth und endet in Capernaum (am Nord-Westlichen Ufer des See Genezareth). Mit 62 km ist der Trail für 4 Tage ausgelegt:
Tag 1: Nazareth nach Cana
Tag 2: Cana nach Kibbutz Lavi
Tag 3: Kibbutz Lavi nach Moshav Arbel
Tag 4: Moshav Arbel nach Capernaum

Da wir aber nur ein Wochenende Zeit haben, basteln wir uns eine abgespeckte Version und starten in Ilaniya (liegt in der Mitte von Cana und Kibbutz Lavi).

Donnerstagabend, 11.10.18
Während Johanna sich bestens informiert hat, wie man einen Wanderrucksack zu packen hat, stopfe ich einfach alles irgendwie hinein. Naja, ich musste am Donnerstagabend auch noch bis 19:30 Uhr arbeiten und hatte nicht so viel Zeit mich vorzubereiten (falls das als Ausrede durchgeht und ich mich so nicht zu meiner Faulheit bekennen muss). Mit Trinksystem, Wanderstöcken und einem Gaskocher sieht das ganze bei ihr um einiges professioneller aus. Auch bei der Route hat sie zum Glück das Zepter in die Hand genommen. Mit Buch und Handy GPS Route ausgestattet, fühlen wir uns bereit und nehmen um 20:20 Uhr den Bus nach Ilaniya.

Von einer einsamen Haltestelle aus laufen wir erstmal die Straße in die falsche Richtung entlang. Wir drehen um und sehen, dass unser Wanderweg direkt neben der Haltestelle  beginnt. Etwas schwierig den Weg im Dunkel auszumachen, aber zum Glück hat Johanna auch an eine Taschenlampe gedacht, sodass wir unsere Handyakkus schonen können. Eine gute Stunde laufen wir noch an diesem Abend. Wobei wir auf dem Handy sehen, dass wir stets neben dem eigentlichen Weg unterwegs sind und uns eher durchs Gestrüpp und Kakteen kämpfen. Naja, irgendwann kommen wir an etwas, was wir als Wanderweg durchgehen lassen würden.

Später finden wir, ein paar Meter vom Wegesrand entfernt, einen Baum, unter dem wir unser Nachtlager einrichten. Recht sichtgeschützt fühlen wir uns hier sicher und wohl.

Freitag, 12.10.18
Gegen 9:00 Uhr werden wir langsam wach, die Sonne steht schon sehr hoch am Himmel und es wir unerträglich warm im Schlafsack, nachdem ich heute am frühen Morgen etwas gefroren habe.

Es ist sehr lustig, wenn man sich in der Dunkelheit einen Schlafplatz sucht und erst am nächsten Morgen erkennt, dass man auf einer Kuhweide gelandet ist. Zum Glück befinden sich die Kühe recht weit entfernt von uns am Futtertrog. Wir kochen uns Wasser zum Frühstück für Porridge und Tee. Dazu gibt es Schwarzbrot mit Humus.
Danach nimmt sich Johanna Zeit, um mir zu erklären, wie ich meinen Rucksack besser packen kann und was ich noch alles einstellen und meiner Größe anpassen kann, sodass der Rucksack perfekt sitzt. Wir wissen zum Glück beide nicht, wie schwer unsere Rucksäcke sind. Am meisten wird wohl das Wasser sein, dann Essen und naja das Wechsel-T-Shirt, die 2 Unterhosen und die Zahnbürste dürften wohl am wenigsten Gewicht ausmachen.

Um 10:30 Uhr starten wir. Es ist es recht bewölkt und auch ein stetiger Windhauch macht das Laufen in der Hitze erträglich. Wir sind immer wieder überrascht, wenn im Reiseführer ein Wald eingezeichnet ist und wir nur drei Bäume vorfinden. Wald ist eben nicht gleich Wald.
Nach nicht allzu langer Zeit kommen wir an einem kleinen Nationalpark an, mit den Überresten von alten Stadtmauern. Wir machen einen kleinen Abstecher um es uns anzusehen. Einmal um den Berg herum.

Dann suchen wir weiter unseren Pfad. Die Wanderwege sind verschieden farbig gekennzeichnet. Blau-weiß ist immer der Israel National Trail (ein Trail der einmal durch ganz Israel verläuft, vom Norden in den Süden und für den man ca. 3 Monate braucht). Unsere Route hat keine eigene Farbe, sondern wir laufen immer abschnittweise an einer Farbe entlang und dann nach einer anderen. Auch die Markierungen sind zum Teil sehr spärlich, sodass Johanna öfters mal auf dem Handy nachkontrolliert, ob wir noch richtig sind. Hier und da verpassen wir die Abfahrt und müssen einige Meter zurück, aber alles machbar. Besonders die ersten 3 Stunden sind sehr anstrengend, da ich mich noch an das Gewicht auf Schultern, Hüften und den Beinen gewöhnen muss, es ist eine Qual. Es ist super einfach zwischendurch hinter Johanna her zu laufen (obwohl der Weg breit genug ist um nebeneinander her zu laufen) so kann ich ihrem Trott einfach folgen und konzentriere mich eher auf meine Schritte und nicht auf die Schmerzen.

Gegen 14:30 Uhr machen wir eine Mittagspause und ich auch ein kleines Nickerchen. Die Aussicht ist gigantisch.

Weiter geht es dann eine längere Zeit bergauf, ein Stück an einer Straße entlang und durch einen richtigen Wald. Viel hoch und runter.  Der  folgende Abschnitt an der Straße ist uns etwas zu gefährlich, da es keine Leitplanke gibt, der Seitenstreifen sehr schmal ist und die Autos schnell fahren. Wir laufen also querbeet im Busch neben der Straße und schlagen uns durch das stachelige Gestrüpp.
Mit total zerkratzen Beinen erreichen wir auf dem Weg ein kleines Dorf. Später stellt sich heraus, dass es sich um das Kibbutz Lavi handeln muss. Durch dieses Kibbuzim hindurch finden wir einen ausgeschilderten, markierten Wanderweg, mit dem wir die Straße weiter umgehen können. Aber Johanna und ich sind uns einig, dass auch das den Namen „Wanderweg“ nicht verdient hat. Weiter dieses stachelige Gestrüpp, steil bergauf mit vielen Felsen und wir müssen ständig von links nach rechts über und unter Stacheldrähten hindurch. Gar nicht gemütlich. Dafür begegnet uns unterwegs dieser kleine Freund:

Ziemlich fertig erreichen wir schließlich einen Weg! Theoretisch haben wir damit unsere Strecke für heute geschafft. Die Hälfte des Weges. Aber es ist erst 18 Uhr und wir sind beide in einem guten Trott, sodass wir beschließen noch etwas weiter zu latschen. Dabei halten wir stets Ausschau nach einem properen Schlafplatz. Dieser ist schwer zu finden, da rechts und links von Weg Stacheldrahtzäune verlaufen. An den Stellen wo keiner ist, gibt es nichts, wo man etwas Sichtschutz hat, oder der Boden ist voll von den kack Stachelbüschen. Also beschließen wir einfach weiter zugehen. Mittlerweile ist es schon wieder stockfinster und wir beleuchten den Weg mit der Taschenlampe. In der Ferne sehen wir schon die Lichter einer Stadt, das müsste Eilabun sein. Eine christliche Stadt, durch die wir morgen laufen wollten.
Während wir so weiter laufen bemerken wir, dass wir Eilabun schon erreicht haben. Wir sind über glücklich, als wir eine Tankstelle sehen. Auf dem Klo wasche ich erstmal meine Beine ab, da ich im Dunkeln einmal heftig weggerutscht bin und die Schürfwunden vom Staub und Dreck befreien möchte. Und auch so tut es gut sich etwas waschen zu können. Am Parkplatz der Tankstelle genießen wir eine kalte Flasche Cola, Eis und Kekse.

Nach diesem ultimativen Zuckerschock sind wir wieder hellwach und fühlen uns, als ob wir die ganze Nacht durchlaufen könnten. Also weiter, denn auch hier sieht nichts nach einem geeigneten Schlafplatz aus. An der Straße geht es noch eine gutes Stück gerade aus. Wir erreichen einen Kreisverkehr, bei dem es nur nach links oder rechts ab geht (und beides sind Auffahrten auf den Highway). Laut Johannas Handy müssen wir geradeaus. Dort ist nur ein großes schwarzes Nichts zu sehen. Als wir näher an den Rand kommen, sehen wir, dass es ziemlich steil und steinig bergab geht, und tatsächlich, da unten ist ein kleiner Feldweg zu sehen. Nur wie kommen wir da jetzt herunter? Etwas weiter links scheint es nicht ganz so steil zu sein, also versuchen wir es dort. Mehr gerutscht als gelaufen stolpern wir herunter.

Den Weg hinein sieht man rechts beleuchtet einen große Militärbasis. Und nach einer knappen Stunde finden wir links am Berg, etwas hoch einen Busch hinter dem wir endlich unser Nachtlager aufschlagen. Es ist auch schon 22 Uhr und damit sind wir seit 11,5 h auf den Beinen (wovon nur 2h Pause waren) also viel zu lange gelaufen, und das ist spürbar. „Layla tov!“

Samstag, 13.10.18
Genau wie gestern kommen wir gegen 10 Uhr los. Nur ist  es heute von Anfang an anstrengender. Man spürt die Beine und Schultern von gestern. Und es gibt weder Wind noch Wolken, es ist also sehr heiß. Es geht schleppend voran, sodass wir schon nach einer Stunde im Schatten eines einzelnen Baumes rasten. Im Sitzen schlafe ich fast ein oder zumindest döse ich ein bisschen vor mich hin.

Die Mittagssonne macht das Vorrankommen nicht einfacher. Der Rucksack ist schwer, die Schultern tun weh, der Nacken ist verkrampft, und die Kilometer wollen einfach nicht vorbeifliegen.

Nachdem wir recht lange einen steilen Feldweg hinauf gestiegen sind, können wir schon den See Genezareth in der Ferne erkennen. Wir machen mal wieder eine Pause und müssen nach einem Blick aufs Handy feststellen, dass unser Weg am Fuße des Feldweges, den wir soeben mühsam hinaufgestiegen sind, weiter gegangen wäre. Wir sind beide echt nicht motiviert, den Weg wieder zurück zulaufen. Also schauen wir nach einem Alternativweg. Anscheinend sind wir nicht weit von Tiberias entfernt und wenn wir die Abkürzung an der Straße entlang nehmen, brauchen wir nur noch eine Stunde bis zur nächsten Bushaltestelle. Und ganz ehrlich, wir haben beide keine Lust, noch mehr zu wandern.  An der Straße zu laufen macht zwar echt keinen Spaß, aber ich habe meinen Blick eh die ganze Zeit auf meine Füße gesenkt. Das Letzte Stück geht die Straße nochmal sehr steil bergauf und ich sehe nur meine leuchtend orangenen Schuhe sich auf dem glühend schwarzen Asphalt voreinander setzen. Aus dem Augenwinkel erkenne ich am Straßenrand einige leere Coladosen. Der Gedanke an eine eiskalte Cola lässt mir das Wasser im Munde zusammen laufen. Wie weit ist es denn noch? Für einen kurzen Moment hebe ich den Kopf und blicke auf eine zauberhafte Landschaft. Ein blauer See, dessen Farbe mit dem Horizont verschwimmt. Für solche Anblicke hat sich dann plötzlich alles gelohnt.

Jetzt ist es auch nicht mehr weit bis zur Bushaltestelle und der nächste Bus nach Afula fährt auch schon in 40 Minuten. Was für ein Wochenende. Und wie gut es doch tut, abends völlig erschöpft ins Bett zu fallen und vor allem das Land mal von einer anderen Seite zu sehen.

Malin Schmitz