Ein Einblick in das dieses Jahr erstmalig stattfindende Online-Zwisi-FollowUp

R. M. Rilke: “Sei jedem Abschied voraus!”

Gießen / Giva’at HaMoreh
Nachdem das diesjährige Zwischenseminar für die aktuelle Volontärsgeneration im März über drei Tage online stattfand, wurden Projekte, Ideen und das große Thema des immer näher rückenden Dienstendes vergangenen Sonntag (20. Juni 2021) nochmal aufgegriffen. Diesmal leiteten Linda und Uta das Seminar von Gießen aus und verbrachten effektive Stunden im Austausch mit der siebenköpfigen Vologruppe, die es sich in der gemeinschaftlichen Küche der ‘Dira lemalah’ gemütlich machte.
Die Idee dieses Jahr noch einen zweiten Zwisi-Teil durchzuführen entstand während der Seminarzeit im März, als klar wurde, dass das freie und uneingeschränkte Volo-Leben in Beit Uri und auch in Israel allgemein gerade erst seinen Anfang nimmt und an Abschied, Rückkehr und Zukunftsplanung noch kaum zu denken war.
Natürlich veränderten sich auch die Abläufe und Alltäglichkeiten Beit Uris durch Corona. Mittlerweile dürfen wieder gemeinsame Wochenabschlüsse und jüdische Festtage in der großen Ulam gefeiert werden. Ab September soll auch eine Rückkehr in die individuelle Workshopeinteilung wieder möglich sein und das Konzept der einzelnen sogenannten Zellen Beit Uris, die durch die Häuserstruktur gegeben war, wieder Geschichte sein.

Die Volontär:Innen berichteten von ihren Erlebnissen und Begegnungen der letzten drei Monate. Ganz aktuell kamen sie von einem Konzert in Tel Aviv wieder und fröstelten noch etwas, dank der kühlen Masgan-Luft im Bus zurück. Frösteln – ein Gefühl, dass die Leiterinnen bei knapp 30° Zimmertemperatur in einem Gießener WG-Zimmer neidisch werden lies.
Die allgemeine Stimmung ist positiv. Die Beschäftigung mit den im März entwickelten Projekten und Ideen für die Arbeit mit den Membern verdeutlichte die immer größere Sicherheit und Selbstständigkeit, die im Laufe des Jahres gewonnen wird.

Den zweiten Teil dominierte das große Thema des bevorstehenden Abschiedes. Es werden nicht alle Volos zur selben Zeit zurückkehren, da ja auch die Einreisetermine sich über den Zeitraum von einem viertel Jahr erstreckten. Der etwas bittere Beigeschmack des Abschiedes konnte mit im Zweiergespräch erarbeiteten Strategien und gesammelten Dingen, auf die sie sich zurück in der Heimat freuen, abgemildert werden.
Rilkes Hinweis dem Abschied voraus zu sein, sind wir so gut es ging gefolgt. Ganz voraus sein scheint unmöglich und doch ist das Thema nicht aus dem Kopf verbannt. Es zeigt trotz der noch aufregenden und wahrscheinlich sehr schnell vergehenden letzten Monate eine gesunde Präsenz.

Willkommen in der Zukunftsmusik

Über das Zwisi 2021 und die Lage in Beit Uri während der Corona-Pandemie

Mit erwartungsvollen Blicken nach vorn, in die zweite Hälfte des Dienstes, ging das diesjährige Zwischenseminar am 6.März zu ende. Drei Tage haben die derzeitigen Volontär:Innen mit Linda und Uta, (Jahrgang 2014/15) online zusammengesessen und von morgens bis zum späten Nachmittag Erfahrungen ausgetauscht, die bisherige Zeit rückblickend betrachtet und gemeinsam die verschiedenen Facetten des Volontärseins in Beit Uri beleuchtet.

Der Blick nach vorn: die Volo-Gruppe 2021 auf ihrem Ausflug in die Wüste


Durch einen glücklichen Zufall kam auch der gemeinsame Ausflug während des Zwisis nicht zu kurz, denn Chen hatte unabhängig von uns einen Trip in die Wüste geplant und so konnten die Volos schon dort etwas ins Thema einsteigen. Am Abend der Rückreise nach Beit Uri haben sich die Seminarleiterinnen und Volontär:Innen kurz online kennenlernen können. Der Seminarrahmen wurde besprochen und vor Ort nötige Orga-aufgaben verteilt.
Der richtige Start war dann am Donnerstag früh, natürlich erstmal mit einem WUP. WUP=Warm Up. Sie sind eine tolle Möglichkeit den Kopf frei zu bekommen und dann konzentriert in ein Thema einzusteigen, außerdem bringen sie eine Menge Spaß. So mancher Whiskey-Mixer fand seinen Lieblingspilz und verfing sich im gordischen Knoten.

Die vier auf Donnerstag und Freitag verteilten Themenblöcke regten Gespräche an, brachten Kunstwerke hervor und riefen so manche Tatsachen ins Bewusstsein. Dank anfänglicher Schwierigkeiten mit der Technik und Raumbelegung zogen die Volos Donnerstagmittag aus der kleinen Ulam in den Raum des Snoozland-Workshops (Der ist !NEU! – mehr erfahren wir im jährlichen Newsletter). Dort lies es sich gemütlich vor einem gemeinsamen Laptop rumlümmeln und die Verständigung mit den in Altenberg in Utas Wohnzimmer sitzenden Leiterinnen war unproblematisch – ein echter Zugewinn für die Atmosphäre.

Neben den die Arbeit und das Leben in Beit Uri einschränkenden Auswirkungen de Pandemie, war es bis dato natürlich schwierig für die Volontär:Innen, die von den ehemaligen Volos beschriebene Schönheit der Gegenden in Israel zu erkunden. Mittlerweile, drei Wochen nach dem Seminar, wurden schon viele Lockerungen umgesetzt. Das Reisen im Inland und Besuchen von öffentlichen Einrichtungen, sowie Kulturveranstaltungen ist mit einem Ausweis-Konzept wieder möglich. Auch in Beit Uri selber dürfen die Member der verschiedenen Häuser sich wieder treffen, es gibt wieder gemeinsame Festivitäten in der Ulam, wenn auch in der Teilnehmeranzahl beschränkt. So kamen zum letzten Monatsbeginn zumindest wieder vier Häuser zusammen, um den Monat gemeinsam zu begrüßen.

Für uns hier in Deutschland sind Zusammenkünfte mit dieser Menge an Menschen noch Zukunftsmusik, doch in Israel ist es zunehmend die wiedergewonnene Realität.
Während des Seminars lag schon der mit Sehnsucht eingesogene Duft der Freiheit in der Luft. Jetzt ist er schon stetiger Alltagsbegleiter, wenn auch noch nicht in seiner vollen Entfaltung.

hybride TAMLI-Jahresmitgliederversammlung 2020

Mein letztes Vorstandsjahr habe ich mir sicherlich anders vorgestellt: Das erste Mal seit dem Libanon-Krieg 2006 (und das lag weit vor meinem Freiwilligenjahr 2010/2011) mussten wir Freiwillige zurückholen. Auch die TAMLI-Jahresmitgliederversammlung (JMV) am 15. November 2020 – üblicherweise eine Art geselligem Klassentreffen der letzten TAMLI-Freiwilligenjahrgänge – wurde von der COVID-19-Pandemie überschattet. 

Die 29. Vereinszusammenkunft fand deshalb 2020 hybrid statt: Vier Vereinsmitglieder in der Gäste-Etage in Berlin-Wedding und über den Tag verteilt mehr als zwanzig Mitglieder virtuell in ihren Wohnzimmern, Arbeitszimmern, Küchen oder Autos.

Das hybride Format, so gewöhnungsbedürftig es auch sein mag, ermöglichte es auch TAMLI-Mitgliedern, die eine weite Anreise nach Berlin gehabt hätten und/oder die Kinder betreuen mussten, teilzunehmen. Auch Mitglieder, die seit Jahren (oder noch nie) bei einer Mitgliederversammlung dabei sein konnten, nahmen dieses Mal für einige Zeit teil. 

Die JMV und das anschließende Arbeitstreffen haben wir auf einen Tag gestrafft. Das schien uns angesichts des Formats machbarer. Leider fiel dann das gesellige Abendessen, der obligatorische Stammtisch und die durchzechte Nacht in Berliner Bars und Clubs weg. 

Besonders stolz war ich, dass wir zum ersten Mal, den Kassenbericht anhand von Charts und Diagrammen vorgestellt haben – das machte es meiner Meinung nach etwas anschaulicher und war auch dem digitalen Format geschuldet, dass die Aufmerksamkeitsspanne dezimiert. 

Für das Arbeitstreffen wurde die Mitgliederversammlung in Breakout-Sessions aufgeteilt – und siehe da: es waren ziemlich produktive Workshops. Die Seminare wurden weiterentwickelt. Wir haben uns Gedanken zur Zukunft unseres Vereins gemacht. Und das Ergebnis des Workshops zur Öffentlichkeitsarbeit ist die Gründung eines TAMLI-Redaktionsteams, das sich regelmäßig zu den verschiedenen Möglichkeiten, TAMLI bekannter zu machen, austauschen möchte.

Wahlen gab es auch – virtuell und größtenteils anonym mit dem Zoom-Umfragetool. Theresa Mörsen, die bereits drei Jahre Vorstandserfahrung hat, wurde wiedergewählt. Ich wurde nach fünf Jahren im Vorstand abgewählt und freue mich, dass Leah Leicht meine Vorstandsarbeit weiterführt. Ellen Werner wurde erst im Vorjahr gewählt.

Neue Beisitzer*innen gab es auch:

Beisitzerin für Finanzen I / Kassenwartin – Maria S. 

Beisitzer für Finanzen II / Kassenwart – David M.

Beisitzer für das Vorbereitungsseminar – Tim S.

Beisitzerin für das Zwischenseminar – Linda K.

Beisitzerin für Rückkehrer*innenseminar – Anna L.

Beisitzerin für den Newsletter – Uta T.

Beisitzer für Öffentlichkeitsarbeit/Redaktionsteam– Hai Long L.
Kassenprüfer: Anselm F., Mario B.

Dem neuen Vorstand und den neuen Beisitzer*innen wünsche ich viel Erfolg!

Herzliche Grüße

David Meier

Aus dem zweiten Jahr

Zwischenbericht aus dem zweiten Freiwilligenjahr – Robert Weisemann (Februar 2019)

Mein Name ist Robert Weisemann und ich befinde mich zurzeit im zweiten Jahr
meines Freiwilligendienstes im heilpädagogischen Heim Beit Uri im Norden Israels.

Bereits nach der Hälfte meines Auslandsjahres 2017/18 stellte ich fest, eine besondere Verbindung zu meiner Einsatzstelle, zu Land und Leuten gefunden zu haben und setzte mich mit dem TAMLI e.V. – zu dieser Zeit hatte ich noch einen anderen Träger – in Verbindung, um diese Erfahrung um ein weiteres Jahr zu verlängern und intensivieren zu können.

In diesem Zwischenbericht möchte ich sowohl von meinen persönlichen Erfahrungen in Bezug auf meinen Freiwilligendienst als auch über die Unterschiede zu meinem ersten Jahr in Israel berichten – und vielleicht auch den ein oder anderen zu einer Verlängerung des Freiwilligenverhältnisses anregen.

Das Heim – Beit Uri

Beit Uri (zu Deutsch: Uris Haus) ist ein Heim für rund einhundert geistig schwerbehinderte Menschen im Alter von 6 bis 60 Jahren und befindet sich auf dem Givat HaMoreh, in unmittelbarer Nähe zur 40.000-Einwohner-Stadt Afula, in Nordisrael.
Das Heim wurde 1969 von Dvora Schick gegründet, einer Shoah-Überlebenden, die der Einrichtung den Namen ihres verstorbenen, geistig behinderten Sohnes Uri gab, mit dem sie aus Deutschland nach Palästina geflohen war.

Die Einrichtung gliedert sich in 5 Häuser für erwachsene Member Beit Uris, zwei Kinderhäuser, ein Haus für externe Kinder zur Tagesbetreuung und zwei Außenwohngruppen auf. Ein weiteres Gebäude befindet sich momentan im Bau und soll voraussichtlich im August in Betrieb genommen werden. (Das Haus wurde mittlerweile eröffnet.)

Tagsüber arbeiten die Member speziell nach ihren Fähigkeiten zugeteilt in einem der Workshops oder besuchen eine der vielen Schulklassen Beit Uris. Die Arbeit erstreckt  sich  von  handgemachten  Waren  wie  Kerzen,  Keramik  und  Körben, körperlicher Arbeit  in  Garten  und  Hof  bis  hin  zur  Unterstützung  der  täglichen Essenszubereitung. Weiterhin werden in der Schreinerei unter anderem Möbel für den Eigenbedarf hergestellt.

Die Volontärsarbeit dient dazu, die Belegschaft in Workshops und Häusern zu unterstützen und insbesondere den Membern Beit Uris in der Bewältigung ihres Alltag zu helfen – und „frischen Wind“ und Enthusiasmus in die Einrichtung zu bringen.

Zur meiner persönlichen Erfahrung

Nachdem ich mich im ersten Jahr im Hofworkshop um die Aufrechterhaltung der äußeren Ordnung der Einrichtung gekümmert hatte, wechselte ich im zweiten Jahr zur Schreinerei, um durch die Arbeit neue Fertigkeiten und Member kennenzulernen (und in der Hoffnung, mein Hebräisch noch etwas zu verbessern).
Auch wechselte ich von Beit Zfoni (dem nördlichen Haus) zum Beit Maravi (dem westlichen Haus), um so viel wie möglich von der Arbeit in den Häusern des Heimes sehen zu können.

Tatsächlich hatte ich am Anfang des zweiten Jahres sowohl im Haus als auch im Workshop das Gefühl, wieder als neuer Volontär anzufangen, auch wenn zum Beispiel die Kommunikation – durch die bereits vorhandenen Hebräischkenntnisse und das Vertrauen der meisten Member und Worker – eine wesentlich bessere war als zum Anfang des ersten Jahres. Es dauerte dennoch einige Monate, bis ich wirklich ein akzeptierter Bestandteil beider Gruppen wurde und mich in meiner Arbeit sicher fühlte. Wie im Jahr zuvor besuche ich zweimal in der Woche die Proben des heimeigenen Chors und Orchesters; neu dazu gekommen sind zwei Proben der „Chug Drama“ genannten Theatergruppe, bei welcher Member und Mitarbeiter zusammen Theaterstücke ausarbeiten und zu besonderen Gelegenheiten aufführen. Weiterhin helfe ich regelmäßig in der „Pinat Chai“ aus, pflege und füttere also die Therapietiere der Einrichtung.

Das Kennenlernen und Bestandteil einer neuen Gruppe von Volontären zu werden war eine spannende Angelegenheit, vor allem wenn es sich um eine mehr als doppelt so große Gruppe handelt als im ersten Jahr. Das Vertrauen, das mir als Volontärs-„Veteran“ entgegengebracht wurde hat mich sehr in meiner Arbeit bestätigt und den anderen Volontären Sicherheit und Gelassenheit  gegeben. Es ist ein gutes  Gefühl, wenn Menschen zu einem kommen, um nach Rat und Meinung zu fragen und man einfach nur aus seiner Erfahrung heraus helfen kann.

Weiterhin habe ich dieses Jahr versucht, meine geographischen Kenntnisse über Israel zu erweitern. Ich war sowohl im Roten Meer baden (Eilat) als auch in einem Wasserloch in der Nähe des Grabes von Ben Gurion. Die Wüste zählt weiterhin zu einem meiner liebsten Ausflugsziele, um manchmal etwas Abstand von der Zivilisation nehmen aber vor allem um nachts Sterne gucken zu können.

Zu meinen persönlichen Erfolgen kann ich dieses Jahr die Teilnahme am Jerusalem-Marathon (5km) und „Volcano Run“ in den Golanhöhen (15km) zählen. Auch werde ich den Massada-Halbmarathon Ende Juni laufen.

Die unschönste Erfahrung des Jahres ist sicherlich das Erleben des Raketenbeschusses aus Gaza auf die Stadt Ashkelon, wo ich mit meinem Vater Anfang Mai Urlaub machte. Ich bin den Israelis aus meiner näheren Umgebung sehr dankbar, mit ihnen über diese Ereignisse gesprochen haben zu können.
Der Besuch des dreitägigen Menashe Forest Festivals in Megiddo zählte wiederum zu einem der Highlights des Jahres, das mit seinen vielen Livebands und lockeren Stimmung eine schöne Abwechslung zum Arbeitsalltag in Beit Uri darstellte.

Auch drehte ich im Frühling 2019 im Zusammenarbeit mit dem israelischen Wohlfahrtsministerium einen Werbefilm in Beit Uri, um bei jungen Menschen im Ausland Interesse für ein soziales Volontariat in Israel zu wecken. Auf das Ergebnis bin ich sehr gespannt! (Inzwischen gibt es das Ergebnis zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=FymBoPlm178)

Zukunftspläne

Im Gegensatz zu meinem ersten Jahr konnte ich mir endlich klare Gedanken zu meiner Zukunftsgestaltung nach dem Volontariat machen. Durch meine Arbeit in Beit Uri und durch Gespräche mit meinem Workshop-Leiter habe ich mich dazu entschieden, mich in Deutschland für ein Heilpädagogikstudium zu bewerben. Aber ich denke auch dass das Kapitel Israel nicht mit dem Freiwilligendienst enden wird. Ich habe in diesem zweiten Jahr meine Kontakte in Israel noch weiter ausgebaut, neue Freundschaften geschlossen und mal sehen, was erst noch auf mich zukommt.

Alles in allem möchte ich jedem, der das erste Jahr des Volontariats zur Studienfindung nutzen wollte, aber keinen Erfolg hatte, ein weiteres Jahr herzlich empfehlen.

Robert Weisemann

 

Abschied und Rückkehr

Abschied von Beit Uri und Rückkehr nach Deutschland – Jahresabschlussbericht von Hai Long Le

Am Tag vor meinem Abflug drehte ich noch ein letztes Mal eine große Abschiedsrunde durch Bei Uri. Ich verabschiedete mich von den Membern in den einzelnen Häusern und hinterließ ein paar Abschiedsgeschenke für alle möglichen Leute, darunter auch meine Workshopleiterin und die neuen Volontäre, die schon angekommen waren.
Am nächsten Tag setzte ich mich morgens in den Bus und nahm später den Zug zum  Flughafen. Ich fuhr zum letzten mal für lange Zeit den Givat herunter, ich fühlte mich komisch. Während ich die meiste Zeit aus dem Fenster schaute, dachte ich an nichts. Mein Kopf war leer. Ich weiß nicht, ob ich an nichts denken wollte oder an nichts denken konnte. Ich kam endlich am Flughafen an, wo die Zeit interessanterweise durch die Gepäckabgabe und die Security-Checks schnell verging, sodass ich nicht so lange auf meinen Flug warten musste. Ich hatte noch einen Brief eines guten Kumpels erhalten, den ich Stück für Stück langsam las. Es war super nett von ihm, mir noch etwas zu schreiben.

Nach der Landung und dem Einsammeln meines Gepäcks wurde ich dann von meinem Vater und ein paar Freunden abgeholt, von denen ich mich unglaublich gefreut hatte, sie wieder zu sehen, besonders meinen Vater. Wir setzten uns ins Auto und fuhren nach Hause. Meine Freunde scherzten über Israel, was mich aufregte, da sie keine Ahnung von diesem Land hatten. Es fühlte sich komisch an, wie in einer ganz anderen Welt zu sein.
Ich konnte die Straßenschilder ohne Mühen lesen und die Autokennzeichen waren wieder weiß. Meine Freunde berichteten mir von den letzten Trends, die ich in Deutschland verpasst hatte. Ich war mit meinen Gedanken überfordert. Wahrscheinlich konnte ich es noch nicht richtig fassen, wieder in Deutschland zu sein.
Als ich zu Hause ankam, fing ich gleich an mein Zimmer auszumisten. Ich konnte es nicht in dem Zustand sehen, wie es zurückgelassen wurde. Alles musste heraus. Außerdem erschien mir die ganze Wohnung kleiner als zuvor. Das lag an den großen Einrichtungen, die wir in Israel hatten. Ich traf seit langem meinen Bruder wieder, was schön war.

Einige Tage nach meiner Ankunft musste ich aber auch gleich zu einer anderen Stadt acht Stunden entfernt von Berlin fahren um WGs zu besichtigen. Es war recht hektisch so schnell nach meiner Ankunft wieder weg zu fahren. Ich blieb eine Nacht, sah mir ein paar Wohnungen an, wobei ich jetzt schon in eine dieser einziehen konnte, und kehrte dann nach Berlin mit einem Nachtbus zurück. Ich konnte nur bedingt und mit vielen Unterbrechungen schlafen. Da kam ich nun am nächsten Morgen in Berlin zum zweiten Mal in kurzer Zeit an, dieses Mal am Alexanderplatz. Vielleicht lag es am Schlafmangel, den ich wegen der Busfahrt hatte, aber das zweite Mal anzukommen war noch komischer. Zusätzlich musste ich noch mit der S-Bahn nach Hause fahren (das letzte Mal mit der S-Bahn war natürlich schon knapp ein Jahr her…). Erschöpft und müde von der langen Busfahrt kam ich dann zu Hause an und traf den Rest meiner Familie.

Nach einigen Tagen fand ich eine Routine in Deutschland. Ich räumte mein Zimmer auf, kümmerte mich um die anstehenden Universitätspapiere und traf seit langer Zeit Freunde wieder. Das passierte automatisch. Selten dachte ich schwärmerisch an die Zeit in Israel zurück, die sich jetzt schon anfühlt, als wäre sie schon Jahre her.

Jesus Trail (oder so ähnlich)

Der eigentliche Jesus Trail startet in Nazareth und endet in Capernaum (am Nord-Westlichen Ufer des See Genezareth). Mit 62 km ist der Trail für 4 Tage ausgelegt:
Tag 1: Nazareth nach Cana
Tag 2: Cana nach Kibbutz Lavi
Tag 3: Kibbutz Lavi nach Moshav Arbel
Tag 4: Moshav Arbel nach Capernaum

Da wir aber nur ein Wochenende Zeit haben, basteln wir uns eine abgespeckte Version und starten in Ilaniya (liegt in der Mitte von Cana und Kibbutz Lavi).

Donnerstagabend, 11.10.18
Während Johanna sich bestens informiert hat, wie man einen Wanderrucksack zu packen hat, stopfe ich einfach alles irgendwie hinein. Naja, ich musste am Donnerstagabend auch noch bis 19:30 Uhr arbeiten und hatte nicht so viel Zeit mich vorzubereiten (falls das als Ausrede durchgeht und ich mich so nicht zu meiner Faulheit bekennen muss). Mit Trinksystem, Wanderstöcken und einem Gaskocher sieht das ganze bei ihr um einiges professioneller aus. Auch bei der Route hat sie zum Glück das Zepter in die Hand genommen. Mit Buch und Handy GPS Route ausgestattet, fühlen wir uns bereit und nehmen um 20:20 Uhr den Bus nach Ilaniya.

Von einer einsamen Haltestelle aus laufen wir erstmal die Straße in die falsche Richtung entlang. Wir drehen um und sehen, dass unser Wanderweg direkt neben der Haltestelle  beginnt. Etwas schwierig den Weg im Dunkel auszumachen, aber zum Glück hat Johanna auch an eine Taschenlampe gedacht, sodass wir unsere Handyakkus schonen können. Eine gute Stunde laufen wir noch an diesem Abend. Wobei wir auf dem Handy sehen, dass wir stets neben dem eigentlichen Weg unterwegs sind und uns eher durchs Gestrüpp und Kakteen kämpfen. Naja, irgendwann kommen wir an etwas, was wir als Wanderweg durchgehen lassen würden.

Später finden wir, ein paar Meter vom Wegesrand entfernt, einen Baum, unter dem wir unser Nachtlager einrichten. Recht sichtgeschützt fühlen wir uns hier sicher und wohl.

Freitag, 12.10.18
Gegen 9:00 Uhr werden wir langsam wach, die Sonne steht schon sehr hoch am Himmel und es wir unerträglich warm im Schlafsack, nachdem ich heute am frühen Morgen etwas gefroren habe.

Es ist sehr lustig, wenn man sich in der Dunkelheit einen Schlafplatz sucht und erst am nächsten Morgen erkennt, dass man auf einer Kuhweide gelandet ist. Zum Glück befinden sich die Kühe recht weit entfernt von uns am Futtertrog. Wir kochen uns Wasser zum Frühstück für Porridge und Tee. Dazu gibt es Schwarzbrot mit Humus.
Danach nimmt sich Johanna Zeit, um mir zu erklären, wie ich meinen Rucksack besser packen kann und was ich noch alles einstellen und meiner Größe anpassen kann, sodass der Rucksack perfekt sitzt. Wir wissen zum Glück beide nicht, wie schwer unsere Rucksäcke sind. Am meisten wird wohl das Wasser sein, dann Essen und naja das Wechsel-T-Shirt, die 2 Unterhosen und die Zahnbürste dürften wohl am wenigsten Gewicht ausmachen.

Um 10:30 Uhr starten wir. Es ist es recht bewölkt und auch ein stetiger Windhauch macht das Laufen in der Hitze erträglich. Wir sind immer wieder überrascht, wenn im Reiseführer ein Wald eingezeichnet ist und wir nur drei Bäume vorfinden. Wald ist eben nicht gleich Wald.
Nach nicht allzu langer Zeit kommen wir an einem kleinen Nationalpark an, mit den Überresten von alten Stadtmauern. Wir machen einen kleinen Abstecher um es uns anzusehen. Einmal um den Berg herum.

Dann suchen wir weiter unseren Pfad. Die Wanderwege sind verschieden farbig gekennzeichnet. Blau-weiß ist immer der Israel National Trail (ein Trail der einmal durch ganz Israel verläuft, vom Norden in den Süden und für den man ca. 3 Monate braucht). Unsere Route hat keine eigene Farbe, sondern wir laufen immer abschnittweise an einer Farbe entlang und dann nach einer anderen. Auch die Markierungen sind zum Teil sehr spärlich, sodass Johanna öfters mal auf dem Handy nachkontrolliert, ob wir noch richtig sind. Hier und da verpassen wir die Abfahrt und müssen einige Meter zurück, aber alles machbar. Besonders die ersten 3 Stunden sind sehr anstrengend, da ich mich noch an das Gewicht auf Schultern, Hüften und den Beinen gewöhnen muss, es ist eine Qual. Es ist super einfach zwischendurch hinter Johanna her zu laufen (obwohl der Weg breit genug ist um nebeneinander her zu laufen) so kann ich ihrem Trott einfach folgen und konzentriere mich eher auf meine Schritte und nicht auf die Schmerzen.

Gegen 14:30 Uhr machen wir eine Mittagspause und ich auch ein kleines Nickerchen. Die Aussicht ist gigantisch.

Weiter geht es dann eine längere Zeit bergauf, ein Stück an einer Straße entlang und durch einen richtigen Wald. Viel hoch und runter.  Der  folgende Abschnitt an der Straße ist uns etwas zu gefährlich, da es keine Leitplanke gibt, der Seitenstreifen sehr schmal ist und die Autos schnell fahren. Wir laufen also querbeet im Busch neben der Straße und schlagen uns durch das stachelige Gestrüpp.
Mit total zerkratzen Beinen erreichen wir auf dem Weg ein kleines Dorf. Später stellt sich heraus, dass es sich um das Kibbutz Lavi handeln muss. Durch dieses Kibbuzim hindurch finden wir einen ausgeschilderten, markierten Wanderweg, mit dem wir die Straße weiter umgehen können. Aber Johanna und ich sind uns einig, dass auch das den Namen „Wanderweg“ nicht verdient hat. Weiter dieses stachelige Gestrüpp, steil bergauf mit vielen Felsen und wir müssen ständig von links nach rechts über und unter Stacheldrähten hindurch. Gar nicht gemütlich. Dafür begegnet uns unterwegs dieser kleine Freund:

Ziemlich fertig erreichen wir schließlich einen Weg! Theoretisch haben wir damit unsere Strecke für heute geschafft. Die Hälfte des Weges. Aber es ist erst 18 Uhr und wir sind beide in einem guten Trott, sodass wir beschließen noch etwas weiter zu latschen. Dabei halten wir stets Ausschau nach einem properen Schlafplatz. Dieser ist schwer zu finden, da rechts und links von Weg Stacheldrahtzäune verlaufen. An den Stellen wo keiner ist, gibt es nichts, wo man etwas Sichtschutz hat, oder der Boden ist voll von den kack Stachelbüschen. Also beschließen wir einfach weiter zugehen. Mittlerweile ist es schon wieder stockfinster und wir beleuchten den Weg mit der Taschenlampe. In der Ferne sehen wir schon die Lichter einer Stadt, das müsste Eilabun sein. Eine christliche Stadt, durch die wir morgen laufen wollten.
Während wir so weiter laufen bemerken wir, dass wir Eilabun schon erreicht haben. Wir sind über glücklich, als wir eine Tankstelle sehen. Auf dem Klo wasche ich erstmal meine Beine ab, da ich im Dunkeln einmal heftig weggerutscht bin und die Schürfwunden vom Staub und Dreck befreien möchte. Und auch so tut es gut sich etwas waschen zu können. Am Parkplatz der Tankstelle genießen wir eine kalte Flasche Cola, Eis und Kekse.

Nach diesem ultimativen Zuckerschock sind wir wieder hellwach und fühlen uns, als ob wir die ganze Nacht durchlaufen könnten. Also weiter, denn auch hier sieht nichts nach einem geeigneten Schlafplatz aus. An der Straße geht es noch eine gutes Stück gerade aus. Wir erreichen einen Kreisverkehr, bei dem es nur nach links oder rechts ab geht (und beides sind Auffahrten auf den Highway). Laut Johannas Handy müssen wir geradeaus. Dort ist nur ein großes schwarzes Nichts zu sehen. Als wir näher an den Rand kommen, sehen wir, dass es ziemlich steil und steinig bergab geht, und tatsächlich, da unten ist ein kleiner Feldweg zu sehen. Nur wie kommen wir da jetzt herunter? Etwas weiter links scheint es nicht ganz so steil zu sein, also versuchen wir es dort. Mehr gerutscht als gelaufen stolpern wir herunter.

Den Weg hinein sieht man rechts beleuchtet einen große Militärbasis. Und nach einer knappen Stunde finden wir links am Berg, etwas hoch einen Busch hinter dem wir endlich unser Nachtlager aufschlagen. Es ist auch schon 22 Uhr und damit sind wir seit 11,5 h auf den Beinen (wovon nur 2h Pause waren) also viel zu lange gelaufen, und das ist spürbar. „Layla tov!“

Samstag, 13.10.18
Genau wie gestern kommen wir gegen 10 Uhr los. Nur ist  es heute von Anfang an anstrengender. Man spürt die Beine und Schultern von gestern. Und es gibt weder Wind noch Wolken, es ist also sehr heiß. Es geht schleppend voran, sodass wir schon nach einer Stunde im Schatten eines einzelnen Baumes rasten. Im Sitzen schlafe ich fast ein oder zumindest döse ich ein bisschen vor mich hin.

Die Mittagssonne macht das Vorrankommen nicht einfacher. Der Rucksack ist schwer, die Schultern tun weh, der Nacken ist verkrampft, und die Kilometer wollen einfach nicht vorbeifliegen.

Nachdem wir recht lange einen steilen Feldweg hinauf gestiegen sind, können wir schon den See Genezareth in der Ferne erkennen. Wir machen mal wieder eine Pause und müssen nach einem Blick aufs Handy feststellen, dass unser Weg am Fuße des Feldweges, den wir soeben mühsam hinaufgestiegen sind, weiter gegangen wäre. Wir sind beide echt nicht motiviert, den Weg wieder zurück zulaufen. Also schauen wir nach einem Alternativweg. Anscheinend sind wir nicht weit von Tiberias entfernt und wenn wir die Abkürzung an der Straße entlang nehmen, brauchen wir nur noch eine Stunde bis zur nächsten Bushaltestelle. Und ganz ehrlich, wir haben beide keine Lust, noch mehr zu wandern.  An der Straße zu laufen macht zwar echt keinen Spaß, aber ich habe meinen Blick eh die ganze Zeit auf meine Füße gesenkt. Das Letzte Stück geht die Straße nochmal sehr steil bergauf und ich sehe nur meine leuchtend orangenen Schuhe sich auf dem glühend schwarzen Asphalt voreinander setzen. Aus dem Augenwinkel erkenne ich am Straßenrand einige leere Coladosen. Der Gedanke an eine eiskalte Cola lässt mir das Wasser im Munde zusammen laufen. Wie weit ist es denn noch? Für einen kurzen Moment hebe ich den Kopf und blicke auf eine zauberhafte Landschaft. Ein blauer See, dessen Farbe mit dem Horizont verschwimmt. Für solche Anblicke hat sich dann plötzlich alles gelohnt.

Jetzt ist es auch nicht mehr weit bis zur Bushaltestelle und der nächste Bus nach Afula fährt auch schon in 40 Minuten. Was für ein Wochenende. Und wie gut es doch tut, abends völlig erschöpft ins Bett zu fallen und vor allem das Land mal von einer anderen Seite zu sehen.

Malin Schmitz

Zwischenbericht: Wochenendtrip nach Mitzpe Ramon

Unser Ziel am Freitag ist Mitzpe Ramon, eine israelische Kleinstadt in der zentralen Negev-Wüste, 80 km südlich von Be’er Scheva. Dort befindet sich der Machtesch Ramon (Ramon-Krater). Er ist der größte Erosionskrater in der Wüste Negev. In der weitesten Ausdehnung misst er fast 40 km. Der gesamte Krater ist ein Natur- und Landschaftsschutzgebiet und nur eine nachhaltige touristische Nutzung ist erlaubt.

Nach einer ca. 4,5 stündigen Busfahrt landen wir irgendwo im nirgendwo. Nur ein paar Häuser und dazwischen ein selbstgemaltes Schild „Mati & Roni’s Guesthouse“, unsere Unterkunft für die Nacht.

Wir gehen durch ein Tor und stehen in einem kleinen Innenhof. In der Mitte knistert ein Lagerfeuer auf dem etwas brutzelt. Rundherum stehen Zelte mit Matratzen. Kleine Sitzecken und bunte Decken laden zum gemütlichen Beisammensein ein. Wir betreten das Haus. Wir stehen in einer Art Wohnzimmer. Kleine Tische und Stühle, ein alter Kamin und die an den Wänden hängenden Instrumente betrachte ich neugierig. Liebevoll ist alles gestaltet, herrlich unperfekt. Im Hinterhof werden wir von einem alten Mann (dem Gasthausbesitzer) zum Tee eingeladen. Wir setzen uns in eine Sofaecke und schlurfen den viel zu süßen und viel zu heißen Tee. Er wurde aus frischen Kräutern soeben zubereitet.

Nachdem wir herzlich in Empfang genommen wurde und in Ruhe ankommen konnten, machen wir uns auf den Weg zum Krater. Ich denke, dass hier Bilder am besten sind, um die Aussicht zu beschreiben. Diese Weite und scheinbare Grenzenlosigkeit. Einfach  hier oben zu stehen und in die Ferne zu blicken, vermittelt ein unendliches Gefühl von Freiheit. Eine atemberaubende Stille.

Wir laufen weiter am Krater entlang, bis wir zu einer Aussichtsplattform (Camel-Outlook) gelangen, von wo aus wir den Sonnenuntergag betrachten wollen.

Im Licht der untergehenden Sonne erscheinen die Wüstenhügel und der Krater im Osten in einem sanften lila Ton, während sich ein großer Schatten langsam den Hügelspitzen nähert, bis nur noch der oberste Zipfel beleuchtet ist. Schaut man in die Sonne, so strahlt sie nach obenhin ein grelles Gelb auf blass blauen Hintergrund. Darunter, Richtung Horizont färbt sich der Himmel orange bis in ein helles, rötliches Schimmern. Auch die Hügel der Skyline sind in einen blassen lila Hauch gehüllt. Die Steine direkt an meinen Füßen haben noch denselben beigen Ton wie den Tag über.  Vielleicht mischt sich sogar ein olivgrünes Tuch über das Beige. Es ist sehr windig. Es erinnert eher an einen Tag an der Nordsee. Die Farbintensität des Himmels nimmt stetig zu indes die Sonne gen Horizont schleicht. Auch die gelben Strahlen werden weniger, sodass die Sonne als Kreis erfassbar ist. Als sie den Horizont küsst, ist das Gelbe und Orange komplett verschwunden. Es geht auf einmal ganz schnell. Lila, Magenta und ein helles Leuten geht unter. Die Menschen um mich herum versuchen diesen belebenden und gleichzeitig beruhigenden Moment mit ihren Kameras festzuhalten. Am Ende hat man dann ein Foto, was auf jedem kitschiegen Bildkalender wiederzufinden ist. Ich denke auch nicht, dass es mit Worten geht, diesen Eindruck festzuhalten. Aber vielleicht erinnert sich jemand bei meiner Beschreibung an einen Sonnenuntergang, den er selbst erlebt hat und kann somit meine Empfindung nachvollziehen.

Nach dem Sonnenuntergang gehen wir nochmal zum Guesthaus, holen uns Decken und laufen wieder zurück. Es ist mittlerweile sehr stürmisch und der Sand fegt durch die Luft. Hinter einem großen Stein finden wir zumindest aus einer Richtung Schutz vor dem Wind. Wir kuscheln uns aneinander, denn es ist echt kalt geworden. Erwartungsvoll richten wir unsere Blicke nach oben und gedulden uns, bis es richtig dunkel ist. Mittels einer App scannen wir den Himmel, um somit zu erfahren, wo welches Sternzeichen zu finden ist. Begleitet von nerviger Entspannungsmusik, zeigt die App direkt vor uns den Mars an. Links daneben entdecke ich auf dem Handy Bildschirm ein Dreieck. Die App zeigt an, dass es der Steinbock ist. Ich löse meinen Blick vom Bildschirm und schau in den echten Himmel.  Es ist so riesig, ich habe mein Sternzeichen noch nie im echten Sternenhimmel erleben dürfen. Jeder einzelne Stern  leuchtet hell. Ich kann das Zeichen nicht nur erahnen sondern klar und deutlich sehen. Es ist wunderschön. Der gesamte Himmel ist übersäht mit Glitzer. Erst spät in der Nacht, als wir die Kälte nicht mehr aushalten können, gehen wir.

Nachdem wir gestern die Sonne verabschiedet haben, begrüßen wir sie heute Morgen um 6:00.  Wir legen uns an den Rand des Kraters und lassen uns die ersten Sonnenstrahlen ins Gesicht scheinen.

Zum Frühstücks-Picknick bekommen wir sogar noch etwas Gesellschaft.

Bevor wir los wandern, gehen wir noch zur Touristen Info in das Museum des Mitzpe Ramon. Dort lassen wir uns beraten welche Routen man durch den Krater wandern kann. Wir entscheiden uns für einen Weg der ca. 4,5 Stunden dauert. Empfohlen werden 1l Wasser pro Person pro Stunde. Um 9:00 latschen wir los. Zunächst müssen wir hinunter in den Krater. Ein sehr steiniger Weg mit Rutschgefahr.

Ohne Schatten aber mit vielen Trinkpausen kommen wir langsam voran. Es gibt unglaublich viele verschiedene Gesteinsarten, Farben und Oberflächen.

Auch an dem einzigen Baum im gesamten Krater kommen wir vorbei.

Auf unserem  Weg erwartet uns noch ein weiteres  Highlight. Ein See, der mittlerweile zu einer kleinen Wasserstelle geschrumpft ist. An der Oberfläche ist das Wasser wohlig warm und unten erfrischend kalt. Perfekt. Der Boden ist 10-20cm mit Schlamm bedeckt. Da bleibt eine kleine Schlammschlacht nicht aus.

Auf der guten Hälfe des Weges verpassen wir eine Abbiegung, sodass wir die Route um eine gute Stunde verlängern und einfach noch ein Stück tiefer in die Wüste wandern. Uns scheint die heiße Mittagssonne auf den Pelz. Wir legen immer öfter eine Pause ein. Schließlich kommen wir an die Hauptstraße, die quer durch den Krater Richtung Eilat führt.

Gegen 15:00 erreichen wir dann auch schon wieder unser Hostel. Perfekt, denn keine Stunde später fängt es aus dem Nichts heftig an zu regnen und da der trockene Wüstenboden überhaupt kein Wasser aufnimmt, entstehen direkt kleine Flüsse. Ich kann mir vorstellen, wie sich auch die Flussbette, durch die wir soeben noch im Krater gewandert sind, mit Wasser füllen und das nicht ganz ungefährlich ist. Da ist es hier mit einem bei einer Tasse Tee doch viel gemütlicher.

Malin Schmitz

TAMLI-Jahresmitgliederversammlung 2018

In einem Seminarraum des soziokulturellen Zentrums „Gäste-Etage“ in Berlin-Mitte fand auch diesen Herbst TAMLIs jährliche Mitgliederversammlung mit anschließendem Arbeitstreffen statt. Am Samstag, dem 17., und am Sonntag, dem 18. November, trafen sich einige aktive Vereinsmitglieder, darunter fünf Rückkehrerinnen, die der Verein allesamt als Neumitglieder begrüßen darf.

Als Einstieg in ein produktives Wochenende resümierte der Vorstand das vergangene Vereinsjahr. Erstmalig wurde in diesem Jahr die veränderte Seminarstruktur umgesetzt, bei der persönliche Bewerber*innengespräche die Funktion des Bewerber*innenseminares ersetzen und dafür ein verlängertes, viertägiges Vorbereitungsseminar vor der Ausreise stattfindet. Sowohl von den Volontären, als auch den Durchführenden wurde das Vorbereitungsseminar atmosphärisch und inhaltlich positiv eingeschätzt. 2018 war TAMLI auf zwei Messen vertreten. Der Erfolg dessen spiegelt sich in den erfreulichen Bewerber*innenzahlen wider: Aktuell wohnen und arbeiten in Beit Uri elf von TAMLI entsandte Freiwillige.

Anschließend wurde David Meier nach Ablauf seiner letzten Wahlperiode einstimmig wieder in den Vorstand gewählt. Wir wünschen ihm viel Erfolg bei der Vorstandsarbeit der kommenden Jahre! David Justen und Theresa Mörsen führen ihre Ämter als Vorstandsmitglieder fort.

Über die Beisitzer*innenposten für das kommende Vereinsjahr wurde folgendermaßen abgestimmt:

  1.  Beisitzerin für Finanzen (Kassenwartin) – Maria S.
  2.  Beisitzer für Finanzen (Kassenwart) – Julius A.
  3.  Beisitzer für das Vorbereitungs- und Zwischenseminar – Tim S.
  4.  Beisitzerin für Social Media und Blogbeiträge – Friedericke W.
  5.  Beisitzer für Öffentlichkeitsarbeit – Jonas B.
  6.  Beisitzerin für den Newsletter – Uta T.
  7.  Beisitzerin für die Web-Redaktion – Linda K.

    Kassenprüfer – Anselm F.

Eine Satzungsänderung bezüglich des Verbleibes des Vereinsvermögens im Falle einer Vereinsauflösung wurde besprochen, aber durch eine mehrheitliche Abstimmung auf die nächste Mitgliederversammlung mit einer Satzungsänderung auf der Tagesordnung vertagt. Das Vermögen des Vereins solle an das Heim Beit Uri anstatt, wie momentan beschrieben, an die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. übergehen. Für eine Satzungsänderung dieser Art müsste nachgewiesen werden, dass Beit Uri eine steuerbegünstigte Körperschaft ist.

Das Arbeitstreffen am nächsten Tag startete mit dem Feedback der Rückkehrerinnen über ihr Freiwilligenjahr, welches überwiegend positiv ausfiel. Erstmalig wurden aus gegebenem Anlass die Schwierigkeiten bei der Beschaffung spezieller Medikamente in Israel, sowie die Behandlung chronischer Krankheiten in israelischen Krankenhäusern und die damit einhergehenden Probleme bei der Rückerstattung der Auslandskrankenversicherung thematisiert.

Das anschließende Brainstorming in thematischen Arbeitsgruppen brachte folgende Ergebnisse:
Es wurde ein verbaler Brief an Nicole ausgearbeitet, in dem der Verein Stellung zur aktuellen Situation der Freiwilligen in Beit Uri bezieht. Die Kommunikation mit Nicole ist während des letzten Jahres aufgeblüht und wir freuen uns auf weiteren angeregten Austausch. Dabei wird ein wichtiges Thema die Wohnsituation der Volontäre sein.
Des Weiteren wurde beschlossen, die Internetpräsenz des Vereins mit einer Überarbeitung der teilweise veralteten Texte auf der Website und einer häufigeren Aktualisierung des Blogs zu verbessern.
Bei der Besprechung des viertägigen Ausreiseseminars kam die Frage auf, welchen Anreiz der Verein für das Organisieren des Seminars bieten könnte, denn in diesem Jahr haben sich nur wenige TAMLIs zum Helfen gefunden. Darüber soll in einem gesonderten Treffen weiter diskutiert werden.
In puncto Öffentlichkeitsarbeit ist geplant, dass TAMLI im kommenden Jahr neben den Messen in Hamburg und Berlin auch noch in Frankfurt präsent sein wird.

Als einer der letzten Programmpunkte wurde im Rahmen einer Betreuer*innenschulung der Leitfaden für das Erstgespräch mit Bewerber*innen durchgegangen und überarbeitet.

Last, but not least stellte der Vorstand den Jahresplan für das kommende Jahr vor.

TAMLI e.V. bedankt sich ganz herzlich bei allen, die das Vereinsjahr 2018 so erfolgreich mitgestaltet haben und schaut voller Vorfreude auf das Jahr 2019!

In diesem Sinne wünscht der Verein allen ein friedliches Chanukka-Fest und eine besinnliche Weihnachtszeit!